Entführung des Prinzenpaares - Zwergenbock

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Wengenholm, 1031

Nachdem man in der Scheune die notwendigsten Vorbereitungen für die Nacht getätigt hatte, wandte sich Prinz erneut an seine Mannen:
„Ihr Treuen, ich weiß nicht, wie schnell wir in den nächsten Tagen vorankommen und ob alle Wege frei bleiben werden. Mir ist es ein Herzensanliegen, dass meinem gramen Vater bald die Kunde zuteil wird, dass ich im Kosch bin und mir eine Schar treuer Recken bei meiner Suche zur Seite steht. Da alle eure Herzen voller Mutes sind und nach ehrenvollen Taten dürsten, mag ich meinen Wunsch keinem von euch befehlen. Ich kann nur bitten…“
Ardo hatte gleich, nachdem er den Trupp zu der Scheune geführt hatte, sein Pferd abgesattelt. Sorgsam rieb er die Flanken und Beine des Tieres trocken. Der Tag war lang gewesen, es hatte viel geleistet und trotz der Kälte geschwitzt. Auch die Hufe nahm er in Augenschein, ob sich nicht ein Stein unter die Eisen verirrt hatte.
In der Garnison hatte sonst immer ein Gemeiner diese Aufgaben übernommen, wenn Ardo von einem Patrouillenritt zurückkehrte. Doch da der Rettungstrupp des Prinzen fast nur aus hochgestellten Persönlichkeiten bestand, war Ardo gezwungen, selber Hand anzulegen.
Nicht dass er es für unter seiner Würde empfunden hätte. Ein Ritter muss stets in der Lage sein, für sich und sein Pferd selber zu sorgen, hatte der alte kressenburger Vogt immer gesagt. Dementsprechend sorgsam hatte er Ardo in seiner Zeit als Knappe unterwiesen. Die Suchaktion in den Kosch war eine unerwartete, doch nicht unwillkommene Gelegenheit, diese Fähigkeiten nicht einrosten zu lassen.
Erst als das Pferd fertig versorgt und mit seiner Ration Hafer beschäftigt war, verließ Ardo die Scheune wieder, um sich zu den anderen ans Feuer zu gesellen. Auf die Bitte des Prinzen hin hob er zwar interessiert den Kopf, um zu sehen, wer sich für diese Aufgabe melden würde. Doch lag es ihm fern, selbst diesen einfachen Botenritt zu unternehmen, wenn er doch an anderer Stelle an der Seite des Prinzen Heldentaten vollbringen konnte.
Urion war den ganzen Tag auf Erkundung mit ANTLITZ durch tiefen Schnee geritten. Gen Efferd war er auf Pferdespuren getroffen, die aber schon mehrere Tage alt waren und gen Efferd weiter verliefen. Er war der Fährte noch einige Meilen gefolgt, um sicher zu gehen, und traf erst sehr spät bei der Scheune ein. Nachdem er ANTLITZ abgerieben und versorgt hatte, sah er nach den anderen Rössern des Marstalls und des Prinzen und fand sie ausreichend versorgt.
Er bemerkte, dass die Knappen bereits den Hirsch von seinem Packtier gelöst hatten und ihn über dem Lagerfeuer brieten. Urion freute sich. Ein heißes Stück Fleisch würde die klamme Kälte aus den Gliedern vertreiben.
Als der Prinz geendet hatte, war Urion zwiegespalten. Er wusste, dass in diesem Kreis wohl keiner war, der es im Reiten mit ihm und ANTLITZ würde aufnehmen können. Andererseits wollte er natürlich den Tatort in Au-genschein nehmen. Er sann kurz nach.
„Mein Prinz, ich möchte gerne an Eurer Seite bleiben. Allerdings sollte dieser Bote die Informationen des Fürsten bezüglich der niederträchtigen Tat auch wieder zurückbringen. Dann müssten wir nicht nach Fürstenhort. Entscheidet Ihr, wo Ihr mich haben wollt. Solltet Ihr mich zum Fürsten schicken, dann werde ich Euch schnellstmöglich folgen. Gebt mir einen oder zwei Begleiter mit und hinterlasst im Erlenschloss Nachricht, wohin Euch die Suche führt, damit ich Eurer Fährte folgen kann. Wenn ich morgen früh aufbreche, könnte ich in 10 Tagen am Erlenschloss sein.“
Anselm Hilberan hatte sich - wie immer - zunächst persönlich um sein Ross gekümmert und hatte sich dann daran gemacht sich seiner Rüstung zu entledigen. Letzteres nahm dabei deutlich weniger Zeit in Anspruch als die Pflege des Pferdes. Später war er in Anwesenheit der anderen Edlen an der Seite des Prinzen und hörte dem Vorschlag des Rittmeisters zu.
Erlan blickte aufmerksam in die Runde. Er fragte sich, wer sich wohl noch für eine solche Mission melden würde. Um die Situation ein wenig zu entspannen, zapfte er ein wenig Bier aus einem kleinen Fässchen und gab eine Reihe von Humpen in die Runde.
Angbarer Zwergenbock“, sprach er vielsagend in die Richtung des Prinzen. Da die meisten Greifenfurter mit dem Begriff nichts anfangen konnten, setzte er nach:
„Es heißt, dass das Zwergenbock das stärkste Bier Aventuriens ist.“
Dann grinste er schief und gönnte sich einen tiefen Schluck. Der Prinz sah den edlen Spender ernst an, dann nickte er und lächelte freundlich in die Runde.
„Ihr habt es gehört, Freunde. Wer keine Wache hat und das Maß zu halten weiß, mag gerne probieren. Der Rest sollte sich an Dünnbier halten.“
Mit diesen Worten füllte der Prinz, dessen Wache bald beginnen würde, den Humpen mit dem verdünnten Gerstensaft und ließ sich neben Urion nieder. Sorgsam wählte er seine Worte, den jungen Mann fest ins Auge fassend:
„Ich weiß Euren Mut wohl zu schätzen, doch mag ich Euch nicht ziehen lassen. Unser Weg führt tief in den Kosch hinein, wenn meine Ahnungen mich nicht trügen, und da brauche ich Euch und Euer Pferd an meiner Seite. Auch sollt Ihr mir den Golgaritenknappen ein wenig unter die Fittiche nehmen und in die Kunst des Spurenlesens und des Kundschaftens einweihen. Das Schloss meines Vaters übersieht man nicht und die Straße führt unbeschadet dorthin. Das Golgaritenmädel kommt vom Schloss und wird Botschaft bringen können.“
Kurz sah er auf und blickte in die Runde.
„Hat irgendwer Schwester Antara d’ Altea gesehen?“
Ein wenig irritiert blickte Erlan den Prinzen an. Ob er glaubte, dass die Greifenfurter von einem kleinen Humpen Starkbier schon besoffen in Ohnmacht fallen würden? Er ließ seinen Blick kurz über die Runde schweifen und kam dann zu dem Schluss, dass der Prinz schon wissen würde, was er sagte. Scheinbar schien es mit der Trinkfestigkeit der Greifenfurter nicht sehr weit her zu sein. Ein merkwürdiges Völkchen, dass noch nicht einmal einen Humpen Bier verträgt…
Urion hob seinen Humpen mit Dünnbier und prostete dem Prinzen zu.
„Danke Herr, dass ihr mir diese schwere Entscheidung abgenommen habt.“
Er dachte an das schöne Fässchen Zwergenbock von dem er nicht würde kosten können. So einen Trunk hatte er noch nie gekostet und kannte nur das Eslamsrodener sowie das Selbstgebraute von zu Hause. Dann aber er erinnerte sich an den Inhalt seiner Satteltaschen und ein wärmender Schauer lief ihm über den Rücken.
Den Rest des Abends, das Zusammensein der Kameraden, genoss Urion in vollen Zügen. Seit der Schlacht bei Wehrheim hatte er sich nach dieser Vertrautheit gesehnt, und nun musste er an all die gefallenen Kameraden des Grenzreiterregimentes denken, die so tapfer der Mark den letzten Dienst erwiesen hatten. Leise seufzend summte er das Lied der Mark vor sich her.
Von jenseits des Feuers antwortete mit leisem Brummen der Bannerträger des Prinzen. Der Junge hing augenscheinlich seinen eigenen Gedanken nach, während er tief in den Humpen mit Starkbier starrte und die Melodie des Liedes aufnahm.
Auch Answin von Boronshof nickte gedankenverloren an dem kreisenden Humpen - eine wahre Wohltat jetzt zum Abend - und begann, nachdem er den Trunk weitergereicht hatte, leise die Worte des Liedes mitzusingen.