Entführung des Prinzenpaares - Rast an der Scheune

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Wengenholm, 1031

Eine Scheune im Wengenholmschen, Abenddämmerung

An der Scheune, die die Kundschafter für die Rast ausgewählt hatten, saßen alle ab und man begann eilig, sich für die Nacht einzurichten. Widerwillig kam auch ein Feuer in Gang und brachte Licht und etwas Wärme.
Durch die schwarz in den Himmel ragenden Bäume strich ein eisiger Hauch. Aus den Nüstern der Pferde zogen weiße Fahnen in die Dunkelheit - und auch der Atem der Reisenden war von einem Moment auf den anderen immer deutlicher zu sehen.
„Raugriff ist früh dieses Jahr“, sprach Prinz Edelbrecht mit besorgter Miene. Es klang eher wie eine Feststellung, als wie ein Name. Es war das erste Mal seit einer ganzen Weile, dass der Prinz wieder sprach, und das ließ alle aufhorchen. Sogar Gerrick konnte sich von Antaras Anblick losreißen.
Der Nardesfelder Baron brummte kurz seine Zustimmung. Dann kehrte eine Weile Schweigen ein, und einige zogen ihre Mäntel etwas fester um sich. Die Blicke der meisten Greifenfurter verrieten, dass sie nicht wussten, wovon der Gemahl der Greifin sprach.
Endlich stellte der Knappe Gerrick die stumm umherstreifende Frage: „Was oder wen meint Ihr damit?“
Edelbrechts Augenbrauen hoben sich einen Moment, dann lächelte er.
„Raugriff, so nennt man im Kosch den Tag, an dem der Atem zum ersten Mal sichtbar wird. Firuns Einkehr, den Tag des Winterbeginns. Das einfache Volk schlachtet dann das überzählige Vieh, schlägt das Feuerholz und deckt sich mit den letzten Vorräten ein.“
Dann blickte er wieder mit ernsterer Mine ins Firmament. Tiefgraue Schneewolken zeichneten sich dort wie gewaltige Federbetten ab. Die Luft trug diesen besonderen Geschmack mit sich, der dem fallenden Schnee vorausgeht.
„Der Winter ist früh dieses Jahr.“
Viele folgten seinem Blick.
Nachdem sie die Pferde der Golgariten in den Stall geführt hatte, begann Antara damit, die Tiere abzureiben und zu striegeln. Belustigt sah sie zu, wie Timokles sich ebenfalls abmühte, das Pferd von Lyeria abzubürsten. Seine neugierigen Blick in ihre Richtung waren nicht zu übersehen, aber er traute sich wohl nicht, das Gespräch zu beginnen.
“Tja, da sehen wir uns ja schneller wieder als gedacht“, grinste sie in seine Richtung. „Seit Drak nehmen die Abenteuer wohl kein Ende. Nachdem wir uns auf der Reichsstraße getrennt haben, bin ich nach Garrensand gereist, und, kaum dass ich mein Gepäck in der Klosterzelle verstaut hatte, kam auch schon der Abt an. Bishdariel hatte eine Botschaft gesandt, und nun rätselte man, was sie wohl bedeuten möge. Also schickte der Abt eine Gruppe los, und ausgerechnet ich sollte sie begleiten!
Nun ja, im Haus gehockt hab ich ja in Punin genug. Stell Dir vor, wir waren beim Fürsten Blasius und ich habe einen Segen über ihn gesprochen! Der Ärmste war aber auch völlig erschöpft, der Schlaf hat ihm gut getan. Und dann die Orken unterwegs… das war fast so schlimm wie auf Schloss Drak. Sie standen plötzlich vor uns auf dem Weg und waren fast genau so überrascht wie wir. Rabenschweif hier…“, dabei tätschelte sie ihren Yaquirtaler, der gierig die Lippen nach einem Leckerbissen spitzte, den sie aus ihrer Tasche gefischt hatte, „dieser Schlingel war nicht zu halten und wollte durchgehen. Dabei hat er gleich einen Schwarzpelz über den Haufen gerannt. Als ich ihn wieder unter Kontrolle hatte und wenden konnte, ist mir noch einer von ihnen vor den Säbel gelaufen. War aber auch höchste Zeit. Den anderen war es schlechter ergangen als mir. Ein Bruder lag schon am Boden. Aber es lagen noch viel mehr Orks neben ihm, und der Rest hat sich in die Büsche geschlagen. Wir haben unseren Bruder dann verbunden, aber er ringt immer noch mit dem Tod. Die anderen beiden sind auch angeschlagen und so haben sie mich alleine hierher geschickt zum Prinzen. Aber schön, ein vertrautes Gesicht hier zu sehen.“
Bei den letzten Worten lächelte sie ihn an. Timokles hatte die ausgedehnte Rede Antaras mit Spannung verfolgt und war überwältigt: Visionäre Aufträge von Bishdariel, …der Fürst Blasius. Er hatte davon höchstens in Büchern gelesen und Antara hatte es erlebt, aber in letzter Zeit geschah eh alles, wie er es nie für möglich gehalten hätte. Als Antara nun geendet hatte, war es an ihn zu sprechen und so suchte er die richtigen Worte.
„Zuerst habe ich nicht damit gerechnet, dich je wieder zu sehen, Antara, und ich muss sagen, dass ich überwältigt und verwundert zugleich bin darüber, was du mir da berichtet hast. Es wird wohl Borons Wille sein, dass wir uns immer wieder treffen und ich muss sagen, ich habe da auch nicht so viel dagegen…“
Verschämt wich er nun ihrem Blick aus und machte sich wieder daran, das Pferd seiner Mentorin abzubürsten. Als er dann jedoch wieder zu sprechen anheben wollte, wurde er vom Prinzen unterbrochen, wie er zu seinen Reisegefährten sprach.