Entführung des Prinzenpaares - Ein Eimer voll Gold

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Erlenschloss, 1031

Erlan runzelte die Stirn.
"Einen Wassereimer voller Gold. Das erscheint mir nicht gerade wie ein Lösegeld für einen Prinzenpaar. Vielleicht ist es ja eine Falle, aber das werden wir nur herausfinden, wenn wir es ausprobieren. Natürlich sollten sich einige von uns auf die Lauer legen, um den Kerl auf frischer Tat zu ertappen."
Drinnen angekommen, die Edlen hatten sich im Raume verteilt, als Anselm Hilberan von Hundsgrab-Bugenbühl die Stimme erhob.
"Erlan von Sindelsaum sagte es bereits, ein Eimer voller Gold und Edelsteinen mag nicht viel für das hochwohlgeborene Prinzenpaar sein," er runzelte die Stirn, "aber gerade dies und die Schrift des Prinzen am Ende des Pergaments überzeugt mich von der Relevanz und der Echtheit des Schreibens. Der Verfasser will, dass wir die Forderungen schnell erfüllen können; er will die Sache schnell klären, bevor noch mehr Truppen auftauchen und alles erschweren. Wir sollten einen Plan aufstellen, der uns möglichst erlaubt, das Prinzenpaar zu retten, die Verbrecher ihrem Urteil zuzuführen und möglichst auch noch das Gold zu retten."
Anselm blickte sich um.
"Wer kennt die beschriebenen Örtlichkeiten? Ist der ausgetrocknete Brunnen möglicherweise durch einen Stichgang von unten erreichbar? Wir müssen möglichst viel von der Gegengd wissen ohne die Schurken wissen zu lassen, dass wir Nachforschungen anstellen."
Der Rittmeister pflichtete Anselm bei.
"Der Junker hat Recht. Es muss einen Stichgang geben, und er muss mindestens einen zweiten Ausgang haben. Auf keinen Fall dürfen wir den Brunnen vor der Übergabe untersuchen, der wird auch sicher überwacht. Vielmehr wäre es interessant, ob in der Nähe des Brunnens alte Katakomben oder Ruinen bzw. Gebäude stehen, zu denen ein vergessener Gang führen könnte. Ich meine, wir sollten schon heute Nacht einen kleinen Trupp mit ortskundigen Frauen und Männern entsenden. Natürlich verkleidet. Ferner sollten wir gut getarnte Späher in der weiteren Umgebung postieren, die jede Bewegung in der Fläche wahrnehmen. Mein Prinz, die Forderung nötigt uns zu einer schnellen Entscheidung, aber nichts desto trotz sollte diese wohl überlegt sein. Was mich stutzig macht ist diese profane Lösegeldforderung. Ich vermute, die Entführer wollen hier nur unsere Zahlungsbereitschaft antesten und dann weitere Forderungen stellen."
Nirwulf lauschte den Überlegungen und nickte zustimmend bei den Ausführungen von Anselm und Urion.
"Nun, klingt sehr schlüssig. Leider kann ich zu Hannos Hof wenig sagen, außer dass wir durch diese Gehöft auf der Herfahrt schon gereist sind. Es ist recht unscheinbar und ...", der Cantzler lächelte, "...so gut ich den Kosch, speziell in seinem Herzen, auch kenne, dieser Brunnen ist jedenfalls mir unbekannt."
Thorben hörte sich die Vorschläge der anderen an und sagte dann:
"Wenn ihr hier welche findet, die Ortskundig sind und sich in diese Gefahr begeben wollen, dann sendet sie aus, obwohl ich glaube, daß auch in dieser Nacht der Ort beobachtet wird und wir dadurch den Prinzen gefährden. Ich gehe jetzt ins Bett uns werden morgen ausgeschlafen nachdenken."
Anselms Blick schwenkte vom Rittmeister zum Cantzler und dann zum Prinzen, eine Antwort erwartend.
Der Vogt von Boronshof zuckte zusammen als er das Sausen in der Luft hörte, doch wäre es zu spät gewesen, wenn der Pfeil etwas weiter rechts geflogen wäre. Ob der schnellen Bewegung verlor er fast das Gleichgewicht, fing sich aber wieder und suchte zunächst Deckung im Hof, von der aus er - vergeblich - nach dem Schützen Ausschau hielt. Schweigend verfolgte er die Diskussion, während er weiterhin die Umgebung musterte. Nachdem sie ins Schloss zurückgekehrt waren, lauschte er dem Gespräch des Junkers von Hundsgrab-Bugenbühl mit Wehrmeister und Cantzler, bevor er sich in die Debatte einmischte.
"Wie weit ist es bis zu diesem Hof? Können Leute, die wir jetzt aussenden, ihn noch bei Nacht erreichen? Nur in diesem Fall denke ich, dass wir unauffällig Beobachter dorthin entsenden können!"
Es wäre sicherlich am besten, wenn sie Späher direkt in diesem Hof hätten - aber das erschien ihm zu riskant...
"Hm, ich schätze die Strecke auf etwa sechs Stunden bei zügigem Ritt. Es bleibt recht lange dunkel, dennoch würde es knapp, wenn das Wetter wieder schlechter würde und die Ankunft sicher verzögere. Dann würde der Morgen sicher schon grauen", gab Nirwilf zu verstehen. Die Ausführungen des Cantzlers in den Ohren, stellte der Reiffenberger seine Berechnungen an. Dann wandte er sich an Nirwulf.
"Väterchen, sagt, wann müsstet ihr losreiten, um rechtzeitig zur Übergabe vor Ort zu sein? Und habt ihr soviel Gold und Edelsteine überhaupt hier verfügbar? Wenn ja, dann müsst ihr in jeden Fall mit einer Bedeckung bis kurz vor Hannos Hof reiten, damit auch die Entführer nicht auf die Idee kommen, euch vorher abzufangen."
Er fügte weiter an: "Ich glaube mit den Märker Schlachtrössern, die ich als Ersatz jedem Edlen der Mark zur Verfügung gestellt habe, dürften es zumindest der Junker von Hundsgrab - Bugenbühl und meine Wenigkeit noch vor der Dämmerung schaffen Hannos Hof zu erreichen. Dasselbe dürfte wohl für den Wehrmeister und den Baron von Sindelsaum gelten, ohne die Fähigkeiten der geschätzten Anwesenden herabzuwürdigen."
"Dies entspricht der Wahrheit, Hochwohlgeboren, mein Prinz", nacheinander blickte der Junker den Cantzler und den Prinzen an. "Die Rösser der Mark mögen es an der Spitzengeschwindigkeit nicht mit einem Ross mit novadischem Blut vom Stamme der Wüstenpferde aufnehmen, doch an Ausdauer und der Geschwindigkeit auf eine lange Strecke hinweg sieht das anders aus. Ich bin ein genug geübter Reiter, um diese Aufgabe mit dem Rittmeister durchzuführen."
Nirwulf überlegte laut, es dauerte einen Moment, bis er antwortete - offenbar musste er ein Gähnen unterdrücken.
"Phexensstund ist Übergabe - also die achte Stunde am Abend. Demnach sollten wir spästens am Mittag losreiten ... besser aber schon vormittags, schließlich würde ein unvorhergesehenes Hindernis das Leben des Prinzenpaares aufs Spiel setzen. ... an Gold und Edelsteinen sollten wir ausreichend im Schloss haben. Ich werde die Dienerschaft anweisen, bis morgen früh genug zusammenzutragen und in eine Truhe füllen."
Der Cantzler brummte zustimmend.
"Schaden würde es nicht frühzeitig dort zu sein... doch seid ihr nach der langen Reise durch die Kälte nicht müde? Müde Augen sehen weniger als ausgeschlafene."
"Doch, schon etwas, ehrwürdiges Väterchen, doch eine kurze Rast wird ausreichen müssen, wenn es die Geschehnisse erfordern. Wir werden 'das Kind schon schaukeln'", erwiderte Anselm zuversichtlich.
Erlan von Sindelsaum nickte zustimmend.
"Ein wenig Schlaf im Sattel muss ausreichen. Im Zweifel kann man ja vor Ort rasten. Ich werde nach einem Pferd und der Ausrüstung sehen."
Thorben straffte sich.
"Natürlich ist das zu schaffen, und ich werde nicht zurückstehen! Allerdings sollte genug Bedeckung die Kutsche begleiten. Die Schurken könnten annehmen, daß wir am Übergabeort Gegenmaßnahmen planen und daher die Kutsche oder den Boten mit dem Gold schon auf dem Weg überfallen", sagte er.
Urion nickte dem Wehrmeister zu.
"Genau deshalb kann aus den vielen hier anwesenden Edlen, die nicht im Voraustrupp sind, eine schlagkräftige Schutztruppe für die Kutsche gebildet werden. Ich glaube, wenn wir jetzt die koscher und märker Edlen aufteilen, haben wir genau die Mischung die wir für eine erfolggreiche Operation brauchen."
Zum Prinzen und zum Cantzler gewandt sprach er: "Ich halte eine gute Avantgarde für entscheidend wichtig!"
Dann sprach er laut und für jeden vernehmlich:" Und glaubt mir, Väterchen Nirwulf, ich spreche für jeden hier anwesenden Märker. Die Sorge um das Kronprinzenpaar hält uns warm und ist unser Mantel. Die Hoffnung auf Rettung hält uns wach. Einige von uns kämpften vor Wehrheim und vor Gareth, und das Grauen, welches wir dort sahen, raubte uns ebenso den Schlaf. Im Vertrauen auf die Götter reiten wir Seit´ an Seit´ mit unseren koscher Kameraden in der Zuversicht des Erfolges!"
Der Hügelzwerg lächelte bei diesen Worten.
"Nun denn, ich wünsche allen, die nun aufbrechen, den Segen Ingerimms. Ich werde mich derweil zur Ruhe begeben, morgen früh alles regeln und mit den zurück gebliebenen nachkommen. Viel Glück auf eurem Weg!"
Dann begab er sich ins Schloss. Answin von Boronshof lauschte den weiteren Argumenten, bevor er nach der Entscheidung zu Bett ging, um morgen früh einigermaßen ausgeruht am Borondienst teilnehmen zu können.