Entführung des Prinzenpaares - Beratungen

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Hannos Hof, 1031

Mittlerweile waren alle in die Hütte getreten. Der Prinz hatte die Vorhut freundlich begrüßt und ging geradewegs auf das Feuer zu um sich zu wärmen. Er forderte alle auf es ihm gleichzutun. Bald darauf saßen alle in der Mitte der nun sehr gefüllten Hütte und lauschten andächtig den Ausführungen der Vorhut, die - teils aus dem Gedächtnis - teils aus den Aufzeichnungen Bibernells , die heftig bestätigend nickte, als Erlan ihre Ausführungen vorlas, der Reihe nach vorgetragen wurden. Von Bibernells Notlage nach einem Überfall der Räuber, über den wohl eher zufälligen Beförderungsdienst, den zurückgehaltenen Brief, der Ablieferung des Prinzenpaares in der wengenholmer Burg bis hin zum spontanen Erpressungsversuch Bibernells; hier blickte sie schuldbewusst zu Boden und war auf einmal eifrig damit beschäftigt einen Fleck an ihrer Jacke herauszureiben.
Auch die Nachhut berichtete ihrerseits von der Vision, die Boron Antara gesandt hatte. So waren alle auf dem gleichen Stand. Draußen pfiff weiterhin ungnädig der Sturm.
Eine fingierte Entführung? Das sollte alles gewesen sein? Deswegen waren sie von Greifenfurt hierher gekommen, waren heute durch diese unbarmherzige Kälte geritten, bei einem Wetter, bei dem eigentlich jeder froh war, ein Dach über dem Kopf zu haben? Und alles nur, weil dieses verdammte Weibsbild einen Brief nicht übergeben, sondern auf eigene Faust Geld kassieren wollte. Answin von Boronshof war kurz davor einen Wutausbruch zu bekommen, und nur die Anwesenheit und relative Gelassenheit des Prinzen hielt ihn davon zurück.
Doch die Prophezeiungen schwirrten weiter wie dunkle Mahnungen in seinem Hinterkopf umher, wie sie es schon im Schloss und eigentlich auf dem ganzen Weg seither getan hatten. Und plötzlich hörte Answin sich seine Gedanken laut aussprechen:
"Natürlich! Der Wind, der die Zweige pflegen will, das ist Angbart von Eberstamm-Auersbrück! Und nun hat er den Zweig gepflückt und ihn in den Winter hineingetragen, in dieselbe Kälte, vor der uns auch die Vision ihrer Gnaden Antara D'Altea warnte."
Kurz nickte der Vogt zur Borongeweihte hinüber.
"Das heißt doch, dass aus der guten - wenn auch etwas zweifelhaften - Absicht in der die Ritter handelten etwas Gefahrvolles, möglicherweise Todbringendes erwachsen ist!"
Und sich schließlich direkt an die Gemeinschaft wendend fügte er hinzu:
"Mein Prinz, edle Gefährten! Möglicherweise ist höchste Eile geboten. Wir haben bis hierher dem Schnee und dem Sturm getrotzt. Wenn sich das Wetter nicht noch weiter verschlechtert, sollten wir nach einer kurzen Pause wieder aufbrechen. Es mag schon einige Zeit ins Land gegangen sein, seit der Erbprinz verschwunden ist, und doch deucht mir, es kommt vielleicht gerade jetzt auf jeden Augenblick an! Die Zeichen scheinen mir düster!"
Ernst blickte auch der Junker von Pechackern drein.
"Die Zeichen scheinen ausgelegt - an uns ist es diese zu deuten - doch ob wir nun richtig liegen oder falsch - untätig herumsitzen sollten wir wahrhaftig nicht. So lasst uns ein wenig stärken und dann zusehen, dass wir möglichst weit zu unserem Ziele kommen."
Antara lief ein kaltes Schaudern über den Rücken, noch kälter als der grimme Winter vor der Tür, als sie wieder an den Traum der letzten Nacht dachte. Ernst sprach sie in die Runde:
"Was auch immer ursprünglich hinter dieser Sache gesteckt haben mag, das Gesicht, daß mir zu Teil wurde, kündet von tödlicher Gefahr. Ähnliches verspürte ich bisher nur am Wall des Todes an der Grenze zu den toten Landen."
Nur unter Mühen konnte sie die hochkommenden Erinnerungen wieder verdrängen. Der Wehrmeister schaute grimmig in die Runde. Dann sagte er:
"Eile mag geboten sein, doch nützt es dem Erbprinzen nichts, wenn wir erfrieren. Kordan, Du kennst dieses Land hier am Besten, können wir bald weiterreiten oder wird sich das Wetter noch verschlechtern? Haben wir genügend Möglichkeiten uns bei verschlechterndem Wetter wieder irgendwo zu verkriechen auf dem Weg?"
"Was das Wetter macht, weiß der Herr Firun, lieber Thorben", entgegnete der Geistmärker Baron mürrisch. "So einen Schneesturm hab ich im Hesinde noch selten gesehen. Unterkunft zu finden sollte dagegen kein Problem sein, solange wir nicht vom Weg abkommen. Ich schlage vor, wir versuchen so schnell wie möglich Bauersglück zu erreichen. Da liegt mein Eigenhof, wo wir uns trefflich aufwärmen können. Selbst bei diesem Wetter sollten wir das vor Sonnenuntergang schaffen."
Der Prinz hörte den Beratungen andächtig zu. Er verstand die unterdrückte, doch sichtbare Wut des Boronshofers ebenso wie die Einwände. Nachdenklich ließ er die Schale mit den Resten der heißen Brühe in seinen Händen kreisen. Man sah ihm die Anspannung an ... ja man konnte gar das ungewohnte Bild der Sorge in seinen Zügen lesen. Etwas, das die sonst so zuversichtlich ritterliche Mine des jungen Eberstamm selten zeigte.
"Wie weit ist die Burg entfernt, Frau?!", wollte er von Bibernell wissen, die gerade anfing unter dem wachsamen Blick des Hellebardiers das Fleisch über dem Feuer zu garen. Sie sah ihn an, sichtlich erstaunt so plötzlich und schroff angesprochen zu werden. Für einen Moment wollte sie sprechen, doch dann wurde sie bitter daran erinnert, dass sie dies nicht mehr vermochte. So reckte sie schließlich zwei Finger in die Höhe.
"Zwei Tage also. Es spricht manches dafür sofort aufzubrechen, manches auch dagegen."
Dabei sah er abwechelnd mit jeweils einem anerkennenden Nicken Answin von Boronshof und Thorben von Hammerschlag an.
"Doch ich will nicht glauben, dass uns die Götter mit so klaren Bildern und viel Glück hierher geführt haben, damit wir nun zögern. Mein Bruder mag nicht in finsterer Absicht entführt worden sein, wenn dieses Weib die Wahrheit berichtete...", und bedachte die ins Braten vertiefte Bibernell Liebanger mit einem überaus argwöhnischem Blick, "...doch selbst dann sprechen die Zeichen dafür, dass er in eine Notlage geraten ist, die sein Leben gefährdet."
Dann erhob sich der Prinz unvermittelt und schleuderte seine Schale in eine Ecke.
"Ich kann ... und ich will nicht länger hier in wohliger Stube sitzen, während mein Bruder und seine Gemahlin - und mit ihnen das Glück meines Vaters und unserer Familie - vielleicht mit dem Tode ringen. Wer will mir folgen?"
"Selbstverständlich folge ich euch mein Prinz!" sprach, sich bereits erhebend, Answin von Boronshof. Auch Erlan erhob sich, doch sagte er nichts. Es stand für ihn außer Frage, dass er dem Prinzen folgen würde, auch wenn er das Gefühl hatte, dass sie geradewegs in einen Hinterhalt liefen.
"Kein Koscher wird Euch in dieser Stunde verlassen!", bekräftigte Kordan von Sighelms Halm. "Schlimmen Gefahren haben wir schon so vielen gemeinsam getrotzt!"
"Und auch keiner der Greifenfurter, mein Prinz! In guten, wie in schlechten Zeiten, wir stehen an der Euren Seite!"
Anselm hatte sich erhoben, die Schale, mittlerweile geleert an die Seite gestellt; sein Griff reichte nach Schwert und Schild, Mantel und Umhang - bereit nun, den Ritt zu wagen.
"Wahr gesprochen", bekräftigte Tyrian, wenngleich unübersehbar war, daß ihm das Wetter zu schaffen machte.
"Der Herr hat uns nicht an diesem Ort geführt, damit wir jetzt umkehren", bemerkte die almadanische Geweihte knapp und begann wieder ihre Sachen zusammen zu packen. Lyeria nickte Antara nur knapp zu und verlor selbst kein einziges Wort, sondern gürtete wieder ihren Säbel, den sie neben sich abgelegt hatte. Timokles hingegen wurde von dem plötzlichen Anbruch nach doch so langen Strapazen der Reise eher überrascht und begann laut und vernehmlich zu husten, da er sich an seiner heißen Suppe verschluckt hatte. Sobald er sich erholt hatte, blickte er in die Runde und erkannte bald, dass es wohl keine Alternative für ihn gab, dass er in der warmen Stube bleiben konnte. Also legte er seine nahezu leere Suppenschüssel beiseite und machte sich daran sein Gepäck zusammenzupacken.
Der Wehrmeister des Kosch erhob sich schweigend und machte sich zum Abmarsch bereit. Er hatte seine Bedenken vorgetragen, der Prinz hatte anders entschieden. Damit war die Sache entschieden und kein Zweifel an seiner Loyalität sollte hier aufkommen. Thorben wandte sich an den Hellebardier:
"Ihr bleibt hier, solange das Wetter und euer Fuß euch hindern. Danach kehrt ihr nach Erlenschloß zurück!"
Dann drehte er sich zu Bibernell um und sagte:
"Gebe sie mir Pergament und Feder, ich will eine kurze Notiz an den Fürsten aufsetzen, und sie wird sie schleunigst dem Fürsten nach Fürstenhort bringen! Und diesmal sollte sie nicht säumen", fügte er streng hinzu.
An den Prinzen gewandt ergänzte er die Frage: "Oder wollt ihr eurem Vater ein paar Zeilen schreiben, euer Liebden?" Man sah Prinz Edelbrecht an, dass sein Herz vor Freude über den Aufbruch pochte. Mit leicht geröteten Wangen und stolz auf seine Gefährten aus der neuen und alten Heimat blickend, nahm der die Frage des Wehrmeisters erst nicht wahr. Dann drehte er sich um und antwortete:
"Gut, schreibt Ihr zuerst Eure Zeilen, Hammerschlag. Ich werde den Brief anschließend noch mit einer kurzen Botschaft ergänzen."
Der etwas bierbäuchige Hellebardier gab Thorben das gewünschte Papier und die Feder, räusperte sich einen Moment und sprach Thorben an:
"Ich schlage vor, dass ich das Weib begleite, Wehrmeister - auf dass es weder flieht noch abermals einen Brief für ihre Machenschaften missbrauchen kann."
"Wir können mir meiner Kutsche reisen, jetzt, da wir wissen, dass wir das Lösegeld nicht brauchen ist sie überflüssig geworden. Zudem seid Ihr auf euren Rössern sicher schneller, als wenn ich Euch noch begleiten würde", schlug Cantzler Nirwulf vor. Der Wehrmeister nickte.
"Gut, so soll es sein!"
Dann setzte er sich zum Cantzler und sprach sehr leise zu diesem:
"Väterchen, die Frau hat ein Verbrechen begangen und eines versucht, ich bin mir nicht sicher, ob Baron Kordan über sie urteilen müsste, weil sie aus seinem Lehen stammt und das Verbrechen hier verübt wurde oder ob der Fürst hier der Gerichtsherr ist, weil Mitglieder des Fürstenhauses involviert sind. Vielleicht solltet ihr dem Fürsten alles schildern und er mag dann entscheiden ob und wer der Frau den Prozess macht."
Der Cantzler zog verschwörerisch an seiner Pfeife und nickte. Dann machte sich der Hammerschlager daran eine kurze Notiz für den Fürsten aufzuschreiben, in der er seine Durchlaucht von den Fortschritten der Suche berichtete, aber auch die neuen Befürchtungen riss er kurz an. Dann gab er das Pergament und die Schreibutensilien an den Prinzen weiter und bereitete sich auf den Aufbruch vor. Nach dem auch der Prinz eine Botschaft an seinen Vater angefügt hatte, gab er das Schreiben Cantzler Nirwulf und schloss sich der langsam nach draußen drängenden Menge an. Der Hellebardier hatte derweil das frisch gebratene Wildbret in etwas Stoff gewickelt und als Proviant an Rittmeister Urion gegeben.