Eine Brücke über den Kosch - Von der Hochzeit der Häuser Salmingen-Sturmfels und Leihenhof

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Ausgabe Nummer 49 - Efferd 1032 BF


Vorverhandlungen
Etliche Tage, vom Ende des Efferdmondes bis zum Anfang des Traviamondes 1031 BF, währte der Besuch der hochge-borenen Dame Frylinde von Salmingen am Hofe des Barons von Galebquell. Anfangs wusste man nicht, weshalb es die Baronin von Dohlenfelde gerade gen Galebquell zog. Einzige Verbindung zum Baron Riobhan von Galebquell war folgender, eher trauriger Umstand: Des Barons Sohn und Erbe Roklan von Leihenhof war dabei, als es zum schändlichen Attentat auf seine Hochgeboren Baron Bernhelm von Sturmfels zu Dohlenfelde kam. Erst später erfuhren Außenstehende von den Hintergründen dieses Treffens: Hagen von Salmingen-Sturmfels, Baron von Dunkelforst, Baruns Pappel und Dohlenfelde, wird sich vermählen mit Ansoalda Irmegund von Leihenhof, Baronesse von Galebquell! Während der Tage, die Frylinde von Salmingen auf der Galebburg verbrachte, wurde der Ehevertrag mitsamt zahlreichen Normen ausgehandelt.

Ein Rosenritt in die Nordmarken
Bald darauf brach der junge Ritter Hagen von Salmingen-Sturmfels zu einem rondrianischen Ritte im Geiste Rahjas zut Galebburg auf. Dort wurde der stolze dreifache Baron am 11. Travia 1031 nach dem Falle Bosparans von seinem Standesbruder, Riobhan II. von Galebquell, würdig empfangen. Und am 12. Tag des Traviamondes 1031 BF, zur Mittagszeit, sprach Hagen von Salmingen-Sturmfels im Perainetempel zu Galebbogen vor dem Baron und bat im Namen Rahjas um die Hand der Jungfer Ansoalda. Als Rosengabe überreichte er der Baronesse eine seidene Schärpe mit seinem Hauswappen sowie den Wappen der Baronien Dunkelforst, Dohlenfelde und Baruns Pappel. Huldvoll nahm die Baronesse diese Gabe an, und Baron Riobhan legte die Hand seiner Tochter in die des Werbenden. Ein Jubel brandete auf, denn man wusste: Eine Hochzeit würde gefeiert werden! Kurz darauf wurden die Einladungen versandt, die an zahlreiche Häuser des nordmärkischen und koscher Adels, aber auch Standesleute anderer Provinzen, gingen.

Eine Hochzeit auf Burg Salmingen
Im folgenden Jahr, am 5. Rondra, dem Tage des Schwurs, einem hohen Feiertag für alle Rondragläubigen, sollten Ansoalda von Leihenhof und Hagen von Salmingen-Sturmfels den heiligen Schwur zum Traviabunde leisten. Und welch einen Aufmarsch gab es nun auf der stolzen Burg Salmingen, dem Stammsitz des uralten Koscher Adelshauses Salmingen! Bereits am ersten Tage des Rondramondes hieß man die ersten Gäste in Salmingen willkommen und bewirtete sie auf äußerst traviagefällige Weise. Einer Junkerin aus dem Wengenholmschen war Gerüchten zufolge die Frage herausgerutscht, auf welche Weise die Häuser Leihenhof und Salmingen-Sturmfels dies teure Vergnügen denn bezahlen wollten – woraufhin eine andere Standesperson von einem Kredite bei den Stippwitz in Angbar gesprochen haben soll. Woher auch immer das gute Gold kam, die Gäste wurden bewirtet, wie es dem Anlass mehr als nur angemessen war. Hagen von Sturmfels begrüßte alle Gäste als Hausherr auf Burg Salmingen persönlich. An seiner Seite sah man ständig seine Mutter, Frylinde von Salmingen, die im Gegensatz zu ihrem Sohn – der offenbar der Rhetonik zu huldigen schien – mit jedem Gast wohlgewählte und nicht selten weise Worte zu wechseln wusste und ständig in anregende Gespräche verwickelt war. Nie weit von Frylinde entfernt war ihre Tochter Durinya, die für die Hochzeit ihres Bruders Hagen von ihrer Knappenmutter Baronin Odelinde von Neidenstein freigestellt worden war. Die Nablafurterin selbst war zu ihrem tiefsten Bedauern unabkömmlich. Durinya, in ihrer Anmut wohl nur von der Braut übertroffen, zog schon bald einen guten Teil der Aufmerksamkeit auf sich. Zahlreiche Namen – zu viele, um sie hier alle zu nennen – prunkten auf der Gästeliste dieser Hochzeit zwischen den Provinzen und verliehen diesem Traviabunde einen eigenen, erhabenen Glanz.
Am Tage des Schwurs rief man die Geweihten und Adligen erst zu einer kurzen, informellen Andacht im Rondratempel mit anschließendem, kleinen Morgenmahl. Schon zu vorgerückter Stunde des Vormittags strebte man, diesmal in feierlicher Prozession, vom Grafenpalais der Burg Salmingen am himmelhohen Uhrenturm vorbei zum Rondratempel zu Salmingen. Voran schritten die Braut und der Bräutigam. Hagen von Salmingen-Sturmfels, gewandet in einen Lodenwappenrock mit dem Wappen seiner Baronie Dunkelforst – dem von einem gezackten silbernen Balken geteilten schwarzen Schild mit je einem grünen Blatt auf den dadurch entstehenden Hälften – und der silbernen, onyxbesetzten Krone Dunkelforsts auf dem Haupte, wurde geleitet durch seinen treuen Freund Wolfhardt von der Wiesen, den Baron von Oberangbar. Neben ihm und doch (noch) einen Schritt von ihm getrennt schwebte mit höfischer Grazie die Baronesse von Galebquell, Ansoalda Irmegund von Leihenhof. Sie trug ein königsblaues fließendes Gewand aus weichem Atlas, eingefasst mit goldenen Säumen und einem tiefen Ausschnitt, der aber von silbergrauer Spitze bedeckt gehalten wurde. Die weite Schleppe hielt ihre junge Cousine Madalin von Leihenhof. Auf dem Haupt mit der nachtschwarz glänzenden Mähne saß ein feines güldenes Diadem als eines der wenigen Schmuckstücke, welche die Baronesse trug.
Im Rondratempel, einem wehrhaften Festungsbau, warteten schon Ihre Hochwürden Leuengunde vom Berg, die Hochgeweihte der Rondra, die bereits die Morgenandacht gehalten hatte, Ihre Hochwürden Dûrfrida Beringer, die galebqueller Hochgeweihte der Peraine, und Ihre Ehrwürden Iridane Ganslieb, Priesterin der Mutter Travia. Vor dem wuchtigen Altar mit dem Abbild der stolzen Göttin Rondra vollzogen die drei Priesterinnen die Trauung. Gemeinsam sprachen sie die Worte, gemeinsam sangen sie die Choräle, und gemeinsam baten sie den Segen des rondrianischen Blutschwurs, der perainegefälligen Fruchtbarkeit und der travianischen Treue auf das junge Paar herab. Sie legten die Hände des Brautpaares ineinander und verbanden sie nun vor den drei Göttinnen und mit all den anwesenden Adligen als Zeugen! Und schließlich tauschten die beiden Brautleute die 12 rituellen Streiche mit den von der Rondrageweihten gereichten Schwertern aus, um sich im Blutsbund zu vereinen. Nunmehr waren Hagen von Salmingen-Sturmfels und Ansoalda von Lihenhof im travianischen wie im rondrianischen Bunde vereint!

Herrin dreier Baronien
Noch im Rondratempel wurde Ansoalda nun zur Baronin der nordmärkischen Baronie Dohlenfelde gekrönt. Hagen von Salmingen-Sturmfels reichte seiner Gattin das von seinem Vater ererbte Schwert „Hlûtharhilf“. Danach knieten die beiden vor dem Altar nieder. Ansoalda beeidete nun im Namen Praios’ und Rondras vor allen Anwesenden, zuvörderst aber vor Ihrer Hochwürden Leuengunde vom Berg, mit lauter Stimme ihre Treue gegenüber dem Grafen zu Isenhag und gegenüber ihren Vasallen und Untertanen „in Dohlenfelde und Erzweiler und allen anderen Landen der stählernen Darlinkrone“. Unter den Hochrufen erteilte die Rondrageweihte der jungen Frau ihren Segen: „Erhebt Euch, Baronin zu Dohlenfelde!“ Dass die mit Smaragden verzierte Darlinkrone weit weg, nämlich in der Schatzkammer Burg Dohlenhorsts ruhte und wohl bewacht von der Garde des Angrond von Sturmfels, des verräterischen Stiefbruders Hagens war, störte in diesem feierlichen Moment scheinbar niemanden. Die Baronin erhob sich und reichte das Schwert „Hlûtharhilf“ an ihren Gatten zurück, der es als sein Standeszeichen feierlich umgürtete. Anschließend knieten Bräutigam und Braut erneut vor der Rondrahochgeweihten nieder, und diese predigte von Rondras Stärke, und ihrem Zorn darüber, dass die ebenso Ansoalda und Hagen zustehende Baronie Baruns Pappel in der fernen Grafschaft Tobimora nach wie vor in den Händen des finsteren Feindes sei. Die beiden jungen Adligen schworen bei allen Zwölfen, dass sie nicht eher ruhen würden, bis dass die Baronie Baruns Pappel vom Feinde befreit sei. Daraufhin hielt Leuengunde vom Berg Ansoalda den Siegelring der tobrischen Baronie entgegen, die diesen küsste. Danach küsste Hagen den Ring, und Ansoalda steckte ihn ihrem Gatten an. Sie waren nun Baron und Baronin zu Baruns Pappel, einem Lehen, das Hagen noch nie gesehen hatte. Frylinde, die oft an die verlorene Baronie, in der sie viele Jahre ihrer Kindheit und Jugend verbrachte, denken musste, standen Tränen in den Augen. Hagen und Ansoalda erhoben sich und bekräftigten noch einmal vor den anwesenden Adligen und Geweihten, alles zu tun, um Baruns Pappel zu befrein. Daraufhin ermahnten jedoch die Rondrageweihte und die Perainegeweihte die beiden eifernden jungen Adligen, in ihrem Tatendrang nicht zu vergessen, dass sie auch Verpflichtungen gegenüber ihren Vasallen und Untertanen im Kosch und den Nordmarken hätten, die den Zwölfen nicht weniger lieb seien als die Tobrier.
Danach schritt die Gesellschaft in würdiger Prozession von der Salminger Grafen- in die Unterstadt zum aus gelb-grünlichem Stein errichteten, fünfeckigen Hesindetempel Salmingens. Nach dem Segensspruch Seiner Exzellenz Siopan von Salmingen durchschritt Baron Hagen, gefolgt von seiner Frau Ansoalda, das große fünfeckige Bronzeportal mit den stilisierten Schlangen, das als ein Wunderwerk der Handwerkskunst gilt. Im vom Tageslicht, das durch die bunten Glasfenster fiel, erhellten Tempel wurde Ansoalda nun von Ihrer Hochwürden Sephira Birninger, der traditionell höchsten Geweihten der Stadt Salmingen und der Baronie Dunkelforst, nach hesindianischem Ritus zur Baronin Salmingens erhoben: Sechs ausgewählte Bürger der Baronsstadt knieten vor dem Baron und der designierten Baronin von Dunkelforst nieder. Hagen und danach Ansoalda sprachen die uralten Formeln, mit denen sie sich zur weisen Herrschaft über die Stadt und die Baronie verpflichteten, und die Bürger erhoben sich und überreichten Ansoalda jeweils einen frishen Silberulmenzweig. Die sechs Zweige umwickelte das Ehepaar mit einem onyxdurchwirkten Seidenband, und Ansoalda überreichte es der Hochgeweihten. Diese rief Hesindes Segen auf Baron und Baronin herab, und Ansoalda kniete nieder, um von Graf Growin zu Ferdok die Krone der Baronin zu Dunkelforst aufs Haupt gesetzt zu bekommen, die wie die Krone des Barons aus Silber getrieben und mit Onyx besetzt ist. Die Baronin schwor noch im Knien ihrem Grafen die ewige und unverbrüchliche Treue. Ansoalda erhob sich daraufhin und warf eine Handvoll Salz über ihre linke Schulter, Hagen tat es ihr gleich. Das Paar schritt voller Würde aus dem Tempel in die schon tiefstehende Sommersonne hinaus, hinter ihnen Graf Growin und Ihre Hochwürden Sephira, und hunderte Bürger Salmingens und Bauern der Baronie ließen auf dem Marktplatz Baronin und Baron hochleben, während Kinder Lotosblütenblätter warfen. Den Abend verbrachte die Gesellschaft auf Burg Salmingen, wo ein großes Gelage bereitet worden war, und Wein sowie bestes Ferdoker Bier – das Hochzeitsgeschenk des Grafen Growin – in ungeheuren Mengen flossen. Daneben wurde im Rittersaal zum Tanze aufgespielt, und vor allem die jungen Gäste frönten diesem Vergnügen. Die Trauung und die Erhebung Ansoaldas zur gleich dreifachen Baronin wurde bis tief in die Nacht gefeiert, und begleitet von der Travia- und der Perainegeweihten betrat das Hochzeitspaar erst deutlich nach Mitternacht das feierlich hergerichtete Schlafgemach.

Von einer Beiz und einer Krönung
Ganz zu Ehren der drei Göttinnen und in der Tradition der Baronie Dunkelforst rief Baron Hagen von Salmingen-Sturmfels am Tag nach der Hochzeit, dem sechsten Rondra 1032 BF, zur Jagd. Mit seiner Gattin Ansoalda von Leihenhof, als neuer Baronin zu Dunkelforst, Baruns Pappel und Dohlenfelde führte er diese an. Ob seine Hochgeboren Baron Garmwart von Quakenbrück mit der Betonung Hagens und Ansoaldas als Baron und Baronin von Dohlenfelde einverstanden war oder nicht, vermied er zu zeigen. Man ritt vor die Stadt Salmingen – den Dunkelwald wollte Baron Hagen von Salmingen-Sturmfels meiden, angesichts dessen, was dort seinem Vater im Ingerimm 1029 BF zugestoßen war – doch auf die herrschaftliche Jagd wollte er nicht verzichten.
Erschöpft, aber zufrieden kehrte man am frühen Abend zurück auf die auf einem Hügel südlich der Rakula liegende, hoch aufragende Burg Salmingen. Jagdkönig dieses Tages war zu aller Erstaunen der ruhige und der Jagd eher abgeneigte Junker Bodar von und zu Hornisberg geworden, der nicht nur mit seinem Falken gleich drei kecke Fasane erlegt, sondern mit dem Bogen auch noch zwei flinke Rehe geschossen hatte. Ihm widerfuhr daher die Ehre, rechterhand des Barons an der abendlichen Tafel zu sitzen und die kostbaren Speisen dort zu genießen. Zur Linken der Baronin saß deren Schwiegermutter Frylinde von Salmingen, und der Baronsmutter war anzusehen, wie zufrieden sie damit war, den Ehebund ihres Sohnes mit Ansoalda von Leihenhof arrangiert zu haben. Auch Ansoaldas Vater, Baron Riobhan von Leihenhof zu Galebquell, der sich den ganzen Abend trefflich mit Frylinde von Salmingen unterhielt, machte keinen Hehl aus seiner Freude über das Glück des jungen Paares.
So gingen die beiden Tage herrlicher Feierlichkeiten in den Salminger Landen zu Ende. Möge sich das Brautpaar allzeit Travias und Peraines Segen erfreuen dürfen und beider Familien Ehre bringen, mögen Hesindes Weisheit und Rondras Stärke die beiden jungen Adligen allzeit geleiten!

Dalida Ernbrecht & Horchbold Brauer