Ein unerwarteter Gast - Fünf Reiter

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Texte der Hauptreihe:
K1. Fünf Reiter
Autor: Kunar und Geron
Neuvaloor

Es war ein angenehmer Tag Mitte des Perainemondes 1032 BF. Der Moorbrücker Sumpf lag fast idyllisch vor den fünf Reitern. Sie waren in der Nähe des Ortes, der einst Klippbrühl geheißen hatte und ihr Weg hatte sie hierhin geführt, weil sie einen alten Freund besuchen wollten. Boromil vom Kargen Land gehörte zu den Neusiedlern in Moorbrück und sollte hier angeblich siedeln.
Die fünf Reiter blickten den Sumpf versonnen an. Ihnen allen war bewusst, dass das Moor leicht ein Menschenleben fordern konnte und so hatten sie nicht vor hereinzureiten.
Die Gruppe bestand aus Erlan von Sindelsaum, Praiophatius von Gernebruch, Gerwulf Waldstein, Lechdan Sirbensack und Grimma Siebenrüb. Erlan war einst der Knappenvater von Boromil gewesen und da er gerade ohnehin diese Strecke bereisen musste, wollte er die Zeit nutzen, um seinen alten Knappen zu besuchen. Dieser war freilich nur wenige Jahre jünger als Erlan selbst, und so waren die beiden Männer gut befreundet.
Begleitet wurde Erlan von seinem jungen Knappen. Der Junge kam aus den Nordmarken, stand erst seit wenigen Wochen in den Diensten Erlans und musste sich noch in die fest eingespielte Gruppe einfügen, doch er fügte sich und gab sich alle Mühe seine Aufgaben gut zu bewältigen.
Gerwulf war ein Hüne von einem Mann und bis an die Zähn bewaffnet. Er hatte Erlan in der Schlacht von Angbar vor dem Tod bewahrt und stand seitdem in seinen Diensten.
Der vierte im Bunde war Lechdan. Er war ein einfacher Diener, doch folgte er seinem Herrn schon, seit dieser Knappe am Hof des Fürsten wurde und war somit ebenso Freund wie Bediensteter Erlans.
Den Abschluss bildete schließlich Grimma Siebenrüb, die auf ihrem Pferd nicht sehr glücklich aussah und sich wohl auf den Boden wünschte.
Erlan wendete sein Pferd und folgte dem Weg, dem sie ihnen in dem kleinen Weiler beschrieben hatten. Er war gespannt, wie der Ort aussah, den sich Boromil für seine Siedlung ausgesucht hatte. Schließlich erreichten sie den Ort.
Die Umgebung hatte ein geradezu idyllisches Bild geboten. Auf saftigen Wiesen in der Nähe der Warna ließ ein Ziegenhirte seine Tiere grasen, während einige Waldbauern am Rande des Birkhains mit ihrer Arbeit beschäftigt waren. Sie schlugen wohl Holz, um Baumaterial zu beschaffen, denn der Siedlungsplatz bot das Chaos einer etwas unübersichtlichen Baustelle.
In den Ruinen der Häuser des früheren Klippbrühls hatte man große Planen auf Stöcken befestigt, um die zum Teil noch vorhandenen Wände zu benutzen. An mehreren Stellen waren neben den ehemaligen Gebäuden große Haufen von Erde zu sehen. Offensichtlich handelte es sich um Aushub von Grabungen. Und tatsächlich war an mehreren Stellen das charakteristische Geräusch von Spaten zu hören, die in die Erde drangen. Gleichzeitig sangen einige tiefe Stimmen im Takt auf Rogolan. Zwerge oder gar Menschen waren jedoch nicht zu sehen.
Suchend blickte Erlan sich um. Er hatte sein Kommen nicht angekündigt, da er sich erst recht kurzfristig zu diesem Abstecher entschlossen hatte. Er war auf dem Weg zum Dreigrafentag in Liepenstein, und bisher waren sie besser vorangekommen als gedacht. Eigentlich hatte Erlan gedacht, auf dem Rückweg vorbeizukommen, aber sie hatten nun mehr als genug Zeit, und so hatte er sich entschlossen auch ohne Ankündigung vorbeizukommen. In den Hügellanden war dies eine durchaus übliche Vorgehensweise, und jedermann freute sich über Besuch. Boromil würde es in dieser Einöde sicherlich nicht anders ergehen.
Ein kleiner Junge lugte aus dem am nächsten liegenden ehemaligen Haus heraus und starrte die Neuankömmlinge aus großen Augen an. Einige Sekunden dauerte es, dann war der Bann gebrochen, und er rannte aufgeregt in eines der hinteren Gebäude. Kurze Zeit später sprang er wieder heraus, gefolgt von einem Mann in der Arbeitskleidung einfacher Bauern und Handwerker. Ein großer Schlapphut verhinderte zunächst, dass man sein Gesicht sah. Er tätschelte dem Jungen den Kopf und sagte: "Gut gemacht, Alrik. Und jetzt sag Tsalva Bescheid. Ich brauche ihre Dienste."
Der Racker nickte nur kurz und verschwand wie der geölte Blitz unter einer anderen Plane.
Der Mann jedoch stellte sich etwa zwanzig Schritt entfernt mitten auf den Weg, den die Reisenden weitergeritten wären. Dann nahm er den Hut vom Kopf und hervor kam das Erlan so vertraute Gesicht Boromils. Die Frühlingssonne hatte ihm ein wenig Farbe ins Gesicht gebracht und sein letzter Besuch beim Barbier war bestenfalls einige Tage her, doch seinen ehemaligen Knappen würde er immer sofort wiedererkennen.
Der Ritter vom Kargen Land schwenkte freudig den Hut und rief laut: "Seine Hochgeboren, der Baron von Sindelsaum!"
Dann lief er zu den Reitern hinüber, um sie herzlich zu begrüßen und einen Platz zu zeigen, an dem sie die Pferde abstellen konnten. Ein herbeigerufener Rossknecht würde sich um die Tiere kümmern. Er begann sofort mit seiner Arbeit.
Inzwischen waren die Gesänge und Arbeitsgeräusche verstummt. Mindestens zwei Zwerge, deren Bärte mit prächtigen Zöpfern verziert waren, wagten sich von ihrer Arbeit weg.
"Bierpause!", rief Boromil ihnen formlos zu, worauf ein gutgelauntes Brummen zu vernehmen war. Offenbar hielten sich noch weitere Arbeiter in den Gebäuden auf, denn die Angroschim gingen zunächst zurück an ihre Arbeitsplätze, wohl um ihre Kollegen zu holen.