Ein einfacher Auftrag - Ein Ruf des Grafen

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Albernia, 1032

Ein Ruf des Grafen
Endlich! Endlich hatten sie die mächtige Stadt Abilacht im Fürstentum Albernia erreicht.
Der gesamte nordmärkische und koscher Heerzug hatte sich in einem unendlichen Marsch von Elenvina am Großen Fluß entlang gen Norden gequält und war nun auf dem Boden des Fürstentums angekommen.
Hier, vor der Stadt, hatten unter dem kaiserlichen Banner des Greifen die Truppen ihre Lager aufgeschlagen. Rund um die erhabene Stadt standen Zelte, flatterten Banner und Wimpel verschiedenster Grafen, Barone und Ritter im Wind, marschierten und stapften Männer wie Frauen.
Von hier aus würde man gegen die Königin Invher ni Bennain ziehen – und ein jeder Soldat, eine jede Ritterin stellte sich nur eine Frage: Wer würde sich ihnen entgegenstellen?
Eine kleine Gruppe von Zelten stand mitten im nordmärkischen Aufgebot. Über dem größten wehte ein Banner, welches auf blauem Grund einen goldenen Widder zeigte. Hier hatten die Galebqueller unter ihrem Baron vorläufig Residenz bezogen. Roklan von Leihenhof, der junge Baron von Galebquell, wies gerade einen seiner Waffenknechte an, sich um die Sättel der Pferde zu kümmern. In seinem Lager herrschte, wie in der restlichen Zeltstadt, ein reges Treiben. Roklan hatte seine Ritter des Goldenen Widders sowie zahlreiche Waffenknechte zusammengerufen, um den Heerbann der Kaiserin zu unterstützen. Und jetzt harrte man in Crumold aus.
„Euer Hochgeboren…“ Roklan fuhr herum, die stählernen Schuppen seines Schuppenpanzers klapperten leise. Sein Berater Ynbaht von Lichtenberg, Nandusgeweihter und Junker von Grasbühl, war auf leisen Elfensohlen herangekommen. Auch er, sonst der Gelehrte, war nun deutlich kriegerisch gewandet. Unter dem grünen Überwurf und über der grauen Tunika trug er einen schwarzen Lederpanzer, der auch die Oberarme und Oberschenkel schützte.
„Was gibt es, Euer Gnaden?“ hakte der Baron nach. Der Halbelf mit dem silberfarbenen Haar neigte kurz sein Haupt zur Begrüßung.
„Vielleicht sollten wir heute Abend gemeinsam das Vorgehen der Galebqueller im Heerbann eruieren. Es sind zwar noch keine Einsatzbefehle bekannt, aber wenn wir die Stärken und Schwächen unserer Frauen und Männer sondieren und später präsentieren, können wir eine stärkere Position einnehmen.“
Roklan nickte, halb geistesabwesend. Hatte er doch ohnehin schon vorgehabt, für heute Abend ein Treffen seiner Adjutanten einzuberufen. Dies umfasste Ynbaht von Lichtenberg, den Junker von Grasbühl. Dann Bodar von und zu Hornisberg, den Junker von Hornisberg, Hlûthard von Kiefernfeld, den Edlen von Lovast, Roderich von Krotenau, den Edlen von Falkenhain, Koradin von Rothammer, den Edlen von Niederwiesen, Jolenta von Galebfurten, die Junkerin von Galebfurten und Quellpass und Heidruna von Galebfurten, seine Leibmagierin. Insbesondere Bodar von Hornisberg und Jolenta von Galebfurten waren seine Stützen, auf die er sich verlassen konnte, wollte und musste.
Der junge Baron kam jedoch nicht dazu, seinem Lehnsmann dies zu erklären, denn ein anderer Mann trat hinzu und räusperte sich. Roklan und Ynbaht wandten sich herum.
Es war ein Ritter in Kettenhemd und Kettenhaube mit langgezogenem Gesicht und einem wilden blonden Haarschopf. Doch interessanter als seine Wehr war seine Livree: Auf seinem Wappenrock trug er das Wappen des Grafen von Gratenfels.
„Die Götter zum Gruße, Baron Roklan von Leihenhof zum Galebquell?“ Der Ritter stand stramm, wie ein Soldat beim Exerzieren. Doch obzwar in Rüstung, trug er keine Waffe, nicht einmal einen Dolch.
Roklan nickte.
„Seine Hochwohlgeboren, Graf Alrik Custodias-Greifax von Gratenfels wünscht Eure Anwesenheit.“
Deutlich klang die Stimme des Ritters, der seinen eigenen Namen nicht genannt hatte. Er sprach klar und mit kurzen Betonungen, wie geübt.
Roklan sah seinen geweihten Berater an. Der zuckte nur mit den Achseln. Also wandte sich der Baron wieder dem Herold zu.
„Ich komme sofort.“
Roklan sah an sich herab. Die Stiefel waren staubig, die Hose zerknittert vom langen Ritt und der vielen Bewegung, der Schuppenpanzer zwar sauber, aber nicht blank poliert, sein Wappenrock zeigte ebenfalls Staubflecken, als habe sich der goldene Widder im Dreck gewälzt. Und über den Saum seines weinroten Umhanges wollte er schon gar nicht nachdenken. Roklan grinste schief.
„Meister Ynbaht, sagt Junkerin Jolenta Bescheid, dass ich bald wieder da bin. Sie hat während meiner Abwesenheit wie in Galebquell besprochen, die Befehlsgewalt.“
Er taxierte seinen Junker von Grasbühl scharf. Der Halbelf lächelte milde und deutete eine Verbeugung an.
„Ja, Euer Hochgeboren.“
Der Baron drehte sich auf dem Absatz seiner Stiefel wieder zum gräflich Herold um, warf aber noch einen suchenden Blick über seine Schulter.
Da! Dort waren sie und polierten gerade einige Schwerter. Seine beiden Knappen. Wunnemar von Galebfurten und Travin von Tannwirk.
„Wunnemar, Travin!“ rief er den beiden zu und sofort sprangen die beiden auf und stürmten herbei.
„Folgt mir!“ wies er sie nur knapp an und folgte seinerseits dem Herold, der schon dabei war, den galebqueller Bereich des Lagers zu verlassen.