Dreister Einbruch in Steenback - Das Finale

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Zwischenwasser, 1033

Was immer die Magier beredet hatten - sie sollten das Verhör nicht weiterführen. Denn aus der Ferne erklangen Fanfaren; leise erst, dann immer deutlicher.
Hufgetrappel ließ erkennen, dass sich eine größere Gruppe Reiter näherte. Ritter und Knappe, Magier und Geweihte, Händler und Zwerg blickten sich fragend an.
Wer mochte da des Weges kommen? Es dauerte nicht lange, und aus dem Norden erschien ein Trupp Reiter. Diejenigen, die aus der Gegend stammten, erkannten das Wappen des Grafen auf der Kleidung der Soldaten.
Diese zügelten ihre Pferde, sobald sie der Gruppe gewahr wurden. Ein Mensch jedoch löste sich aus der Masse der Berittenen. Das markante Gesicht ließ keinen Zweifel daran, wen man hier vor sich hatte: Es war kein Geringerer als Voltan von Falkenhag, der Truchsess des Grafen selbst!
Ein schneller Blick schien ihm zu genügen, um die Lage zu erfassen.
"Ah, ausgezeichnet", kommentierte er die Gefangene. "Sofort knebeln und abführen!", rief er in scharfem Kommandoton seine Untergebenen an. Zwei von ihnen eilten sofort herbei und taten wie gehießen.
Erst als die Schurkin schnell außer Hörweite gebracht worden war, wandte er sich an die Geweihte.
"Wir hörten von dem Überfall auf Steenback. Ein solches Verhalten können wir natürlich in keinster Weise dulden!"
Der harte Tonfall wandelte sich nun in einen erklärenden. "Durch eine Laune Phexens war ich ohnehin gerade in der Umgebung und führte einige Gardisten mit mir. Dank der schnell ausgesandten Boten haben alle Vasallen, soweit ich das feststellen konnte, die Wege dichtgemacht. Die Räuber hatten es also unerwartet schwer, mit ihrer Beute zu entkommen."
Nun wandte er sich den beiden Magiern zu, nicht sicher, an wen er seinen Dank richten sollte.
"Werte Kollegen, es ist wohl dem Einsatz Eurer Kräfte zu verdanken, dass der Ritter von Steenback noch lebt. Ich habe bereits nach einem Medicus schicken lassen, der sich weiter um ihn kümmern wird."
Voltan erklärte allen: "Wir haben einige der Gesetzlosen im Gormeler Grün gestellt. Sie wussten wohl, was ihnen blühen würde, und haben daher bis zum letzten Blutstropfen gekämpft. Keiner von ihnen wollte sich gefangennehmen lassen. Allerdings fanden sich beachtlich viele Waffen in ihrer Obhut."
Der Truchsess schaute auf die Geweihte.
"Ob es alle sind, die gestohlen wurden, vermag ich auf die Schnelle nicht zu sagen."
Mit einem Räuspern unterbrach der Händler die Rede Voltans und bot sich als Sachverständigen an, um die Beute genauer in Augenschein zu nehmen. Von Falkenhag überlegte kurz und nickte dann.
"Das wird uns unzweifelhaft von Hilfe sein. Mein Dank gilt Euch bereits jetzt!"
"Die Darpatierin, Tsaiane Berlinger nannte sie sich, wusste angeblich, wo die Waffen versteckt sind", erinnerte Halmar vom Kargen Land.
"Das werden wir ja sehen - nach einer gründlichen Befragung, die ich höchstpersönlich durchführen werde..."
Voltans irgendwie kaltes Lächeln jagte Halmar einen Schauer über den Rücken. Es gemahnte ihn daran, dass man nicht ohne Grund Truchsess wurde und sich auf dieser Position hielt...
"Verzeiht, aber können wir uns sicher sein, dass alle Räuber gefangen wurden oder tot sind? Einer wurde in Lutzenstrand festgesetzt, zwei liegen tot im Wald, und Ihr und Eure Männer habt einige erwischt. Jedoch floh einer wohl Richtung Garetien...", bemerkte einer der Gefährten.
"Also ist noch mindestens einer frei!", rief Voltan eilig.
"Den müssen wir kriegen!"
"Einen Moment", wandte ein anderer der Gruppe ein, "was ist mit dem alten Wehrturm? Wir hatten doch vermutet, dass sich dort ein Treffpunkt der Räuber befindet. Womöglich befinden sich einige der Waffen im Turm."
"Nun, wenn das so ist..."
Der Truchsess wies einen Teil seiner Leute an, das letzte Stück Weg bis zum Turm zurückzulegen und diesen zu umstellen.
"Was aber, wenn es tatsächlich geheime Zugänge gibt?", erinnerte wieder ein anderer. "Nicht, dass sich im Turm noch jemand befindet und so entkommen kann!"
"Das ist in der Tat wahr..." Voltan wandte sich an Tadurus Flammenwirbel.
"Werter Kollege, könnt Ihr das übernehmen? Wenn Ihr den Turm auf Geheimgänge absucht, sobald er erstürmt ist, dürfte der Vorsprung durch einen geheimen Ausgang sehr zusammenschmelzen."
Der Magier war einverstanden - schließlich war er ohnehin aus der Gegend.
"Ausgezeichnet! Allerdings ist meine Eskorte nun etwas klein. Werter Ritter, Ihr und Euer Knappe könntet mir einen wertvollen Dienst leisten, wenn Ihr Euch der Verfolgung des alleine geflohenen Schurken anschließt!"
Streitbald war heilfroh, sich einer ehrenhaften Sache anzuschließen, und Halmar von Sindelsaum korrigierte nur die Einschätzung Voltans dahingehend, dass er nicht der Knappe des Ritters Grobhand von Koschtals war.
Auch sein magischer Namensvetter bot sich an, war er schließlich daran interessiert, den brutalen Kerl aufzuhalten. Aus dem gleichen Grund wollte Gidiane unbedingt mit, auch wenn sie an diesem Tag schon viel durchgemacht hatte.

Im Rückblick vermochte keiner der Helfenden zu sagen, wie Voltan von Falkhenhag es geschafft hatte, die Spur des Geflohenen zu finden.
Ob es einer der Späher gewesen war, der in weiser Voraussicht die Gegenrichtung erkundet hatte und schließlich den entscheidenden Hinweis gab, oder ob der Truchsess seine magischen Kräfte eingesetzt hatte, sollte für den Verlauf der Verfolgung denn auch keine Rolle spielen.
Nicht ganz eine Meile vor der Grenze zu Garetien stellten sie den Schurken mitten im Wald.
Abseits der Wege musste er sich im Zickzack voran bewegen; die Gruppe, die ein wenig ausgeschwärmt war, war bald links und rechts voraus. Eine Weile noch konnte er vorwärts laufen, aber irgendwann ließen seine Kräfte nach und in der Eile stolperte er über eine Baumwurzel.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt er sich ein Bein. Offensichtlich hatte er sich beim Sturz verletzt. Gehetzt sah er sich um.
Von der einen Seite näherten sich der Offizier und der Knappe, von der anderen der Magier und die Geweihte. In der Mitte jedoch bewegte sich der Truchsess langsam auf ihn zu. Es war nun auch dem Mörder klar, dass er nicht mehr würde entkommen können.
Er blickte mal zum einen, mal zum anderen, und fing mit einem verzerrten Grinsen und kopfschüttelnd an zu lachen, was jedoch sehr an ein tränenloses Weinen erinnerte. Immer noch hielt er die Hände dicht am Körper.
"Ihr Narren!", spie er seinen Verfolgern geradezu ins Gesicht. Als er Voltan ins Gesicht sah, lachte er hingegen verzweifelt und schüttelte den Kopf.
"Ihr glaubt, der Gerechtigkeit zu dienen? Gar nichts habt Ihr verstanden! Wenn Ihr nur wüsstet, wer uns geschickt hat!"
Bei dieser Ankündigung ging Gidiane noch weiter auf ihn zu, neugierig, mehr zu erfahren. Tatsächlich setzte der Gauner seine Ansprache fort, wurde dabei aber leiser, so dass die Geweihte gezwungen war, noch näher auf ihn zuzugehen. Am Ende wurde die Stimme des Eingekreisten zu einem heiseren, abgehackten Flüstern.
"Ihr werdet staunen, es zu hören: Der Auftraggeber ist niemand anderes als..."
"IGNIFAXIUS FLAMMENSTRAHL!" brüllte Voltan von Falkenhag. Der Getroffene schrie auf und zuckte zusammen, bevor er tot zusammensank.
Gidiane blickte entsetzt zuerst auf den Magier, dann auf den Toten und schließlich wieder auf den Magier.
"Tja, also, warum habt Ihr das getan? Er war doch kurz davor, uns den Namen des, nun ja, Drahtziehers zu nennen!"
"Er war kurz davor, Euch für die Reise über das Nirgendmeer fertig zu machen!", antwortete Voltan scharf.
"Seht Euch doch nur an, was er da an seinem Körper trug."
Und tatsächlich, jetzt wo der Truchsess sie darauf hinwies, konnten alle den seltsam gezackten Dolch erkennen, den der Schurke aus einer Tasche an seiner Hose gezogen haben musste, während er die Hände auf sein Bein gepresst hatte.
"Er wusste, dass er nicht mehr weglaufen konnte. Da hat er noch versucht, wenigstens einen von uns mit zu Boron zu nehmen", erklärte Voltan von Falkenhag nun etwas ruhiger.
"Ihr, Euer Gnaden, wart ein dankbares Ziel. Hatte er Euch nicht bereits eine Waffe an die Kehle gehalten?" Auf dem Weg hierher hatten die vier erzählt, was bisher geschehen war.
"Musste es denn gleich so ein mächtiger Zauber sein?", fragte Halmar vom Kargen Land.
"Es blieb keine Zeit zum Nachdenken", erklärte Voltan.
"Es galt das Leben der Geweihten unbedingt zu schützen."
"Dennoch schade, dass es gerade im spannendsten Moment passieren musste."
"Habt Ihr ernsthaft geglaubt, er würde seine Auftraggeber nennen? Nein, das hat er nur angedeutet, damit sein mögliches Opfer näher kam. Er hat schon richtig vermutet, dass eine Hesinde-Geweihte zu neugierig ist, um die Gefahr zu erkennen."
"Also, wie soll ich sagen, habt vielen Dank, werter von Falkenhag! Aber, tja, ich meine, es ist betrüblich, dass wir nun nichts mehr herausfinden können."
"Oh doch, teure Gidiane. Den Lumpen, der in Lutzenstrand gefangen wurde, und diese Tsaiane Berlinger, werde ich genauestens befragen. Das wird kein Vergnügen, seid versichert."
Voltan von Falkenhag schlug nun einen freundlichen Tonfall an. "Vielen Dank für Eure Unterstützung. Wärt Ihr und Eure Gefährten nicht gewesen, so hätte weitaus Schlimmeres geschehen können. Ich hoffe, dass der Ritter Stordan Steener von Steenback wieder auf die Beine kommt und alle noch fehlenden Waffen gefunden werden."