Dohlenfelder Thronfolgestreit - Sturmangriff

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Texte der Hauptreihe:
K27. Sturmangriff
K28. Sieg
K95. Kajax
F25. Epilog
12. Hes 1032 BF
Sturmangriff
Das Tor wankt

Kapitel 27

Der Tag danach
Autor: Reichskammerrichter, Geron, weitere
Nordmarken, 1032

Sie waren also alle versammelt, zuvörderst Hagen, an seiner Seite Korbrandt, beide in voller Rüstung, bitter entschlossen, den Kampf um Burg Dohlenhorst in dieser Nacht zu einem Ende zu bringen.
An ihrer Seite ihre adligen Verbündeten, hinter ihnen die Gardisten, Söldner und Landwehrkämpfer – keiner gab einen Mucks von sich, alle waren bereit, die zweihundert Schritt zum Torhaus zu stürmen. Die Tandoscher Söldner und Piraten hatten als Signal angekündigt, einen singenden Pfeil abzuschießen, sobald sie den Steilhang bezwungen hätten und an der Burgmauer wären. Die meisten bei der Besprechung Anwesenden hatten an der Umsetzbarkeit dieser tollkühnen Tat – zudem in der Dunkelheit – gezweifelt, aber der Korgeweihte hatte schließlich die Adligen für sich gewinnen können, nachdem er zuerst den Eisensteiner und danach Ritter Korbrandt in Einzelgesprächen vom Tandoscher Plan überzeugt hatte.
Sobald der singende Pfeil zu hören sei, würden die beiden Rotzen nacheinander jeweils zwei Brandsätze auf das Ziel schießen. Anschließend würden die Angreifer auf dem Burgpfad losstürmen. Eine dritte Salve Brandsätze würde über die Köpfe der stürmenden Angreifer hinweggeschossen werden, eine waghalsige Idee des Geschützmeisters, von der sich Hagen erst umständlich überzeugen lassen musste.
Als der singende Pfeil deutlich zu hören war, gab Hagen den beiden Koscher Rotzenmannschaften den Befehl zu schießen. Für einen kurzen Augenblick fragte sich der junge Baron, wo eigentlich sein Knappe Lucan war.
Der erste Brandsatz war ein Volltreffer, die Trümmer des Torhauses waren hell im Feuerschein zu erkennen. Der zweite Brandsatz schlug ein paar Schritt zu weit rechts und zudem zu hoch gegen die Wand des Geschützturmes, das teure Brandöl troff wirkungslos auf den Boden herunter. Der zwergische Geschützmeister ohrfeigte einen seiner Gehilfen sehr unsanft, fluchte etwas Unverständliches und richtete das Geschütz neu aus, während schon der nächste Brandsatz herangeschafft wurde.
Die beiden nächsten Schüsse waren Volltreffer, die Kämpfer stürmten los – im Hoffen, dass die letzte Salve nicht zu kurz zielen würde.
Vielleicht zwanzig Schritte vor der Burg stürmten die Angreifer, ohne sie wahrzunehmen, an zwei im Hang liegenden, reglosen Gestalten vorbei: Die eine war auf das Schauerlichste verbrannt, aber noch lebendig. Der anderen hatte ein Armbrustbolzen, abgeschossen von einem besserwisserischen dohlenfeldschen Gardisten mit der Lieblingsspeise Entenbraten, von hinten das Herz durchbohrt.
Dann schlugen die beiden Brandsätze der dritten Salve gleichzeitig ins Torhaus ein, wie es der Geschützmeister geplant hatte. Die sich plötzlich ausbreitende Hitze war bis zur ersten Reihe der Angreifer zu spüren. Der Kampf um Burg Dohlenhorst hatte begonnen!
Beschwerlich und mühsam war der Weg zur Feste in Rüstung, mit Schwert in der einen und Schild in der anderen Hand. In der Deckung der Dunkelheit war es der Vorhut leicht möglich, nah an die Feste zu gelangen. Doch auch den Verteidigern brachte es den Vorteil, schwer zu erblicken zu sein.
Das Feuer der Feuertöpfe schwelte noch. Bei den Trümmern des Torhauses war jedoch nichts zu sehen. Keine Bewegung regte sich dort. Einige Bolzen und Pfeile stoben zur Begrüßung durch die Luft, doch die Dunkelheit verhinderte jedes Zielen und so war der Schaden gering. Die wenigen Schreie einiger Verwundeten gingen im Lärm von Stiefel und Stahl gänzlich unter. Die Gefahr, im Gedränge den Felsen hinabzustürzen, war auf dem engen Pfad wohl größer, als von einem Pfeil der Verteidiger verwundet zu werden.
Schnell war der Schuttberg des Torhauses erreicht. Die Mutigsten kletterten voran, denn ungewiss war, was die Verteidiger sich hatten einfallen lassen. Der erste Krieger, der sich seinen Weg über Balken und Gestein erkämpft hatte, erhob sein Schwert. Er hatte bereits an etlichen Fronten gestritten, hatte sich im Praios dem Heerbann gegen Invher angeschlossen und erhielt nun endlich die Gelegenheit auf eine gefällige Schlacht.
„Für Hagen, Baron von …“
Ein Gurgeln und Röcheln beendete seinen Satz, als er nach vorn taumelte. Im Schein eines der Feuertöpfe hatte er ein gutes Ziel geboten und einer der Schützen, geübt durch die Jagd, hatte sein Ziel nicht verfehlt. Doch weitere Streiter folgten ihm rasch.
Vor allem der Baron von Eisenstein trieb seine Leute gnadenlos an und in die Vorburg. Sie sollten ihn mehr fürchten als den Feind. Er selbst jedoch sah es als kein besonderes Privileg an, zu den ersten zu gehören, die den Schutthaufen überwanden.
Nun wurden Schilde hochgehalten und achtsam vorangeschritten. Es kam im flackernden Feuerstein zu Schwertkämpfen und Gerangel. Die Zahl der Gegner war schwer abzuschätzen, doch über zumindest eineinhalb Dutzend Bögen und Armbrüsten mussten die Verteidiger verfügen, und sie sparten nicht mit Pfeilen und Bolzen. Die Zahl der Verluste auf Seiten der Angreifer stieg. Das Blatt könnte sich aber noch wenden, war die Übermacht der Angreifer doch groß.
Ein Hornsignal schallte vom Bergrfried. Dann war es den Tandoschern auf der anderen Seite der Vorburg tatsächlich unter Aufbringung all ihrer Kräfte gelungen, den steilen Felsen und den Wall der Feste zu überwinden. Ihnen, die das Korbanner voran trugen, waren die wenigen Verteidiger im Hof und auf den Mauern, nun in die Zange genommen, nicht gewachsen. Verwegen fielen die Tandoscher Kämpfer über die Verteidiger her, denen nicht der rasche Rückzug durch das Tor in die Hauptburg gelang.
Ein unbekannter Ritter oder Krieger in einem dunklen Wappenrock hatte jedoch nicht mit den Seinen weichen wollen oder können, und heftigen Widerstand geleistet. Gleich zwei Streiter des Tandoscher hatte er schwer verwundet und einen zu Boron geschickt, ehe er von Fiona von Tandosch, Radomir und ihren Begleitern in die Enge getrieben und niedergemacht wurde. Radomir kam der Mann bekannt vor, doch für eine eingehende Prüfung blieb keine Zeit mehr. Und so hießen die Tandoscher Söldner und Piraten Hagen und seine Streiter in der eroberten Vorburg willkommen.
Ein weiterer Gardist Angronds hatte sich mit seiner Armbrust im Eckturm verschanzt und versuchte sein Glück, im dunklen Vorhof einen Treffer zu landen, offensichtlich hatte er auf Hagen gezielt. Doch das Geschoss glitt aufgrund des ungünstigen Winkels an Hagens Rüstzeug ab. Schnell waren einige Streiter an das Manntor heran und gaben dem Gardisten im grün-gelben Rock nicht einmal die Zeit, um Gnade zu bitten, bevor er von mehreren Klingen und Spießen durchbohrt war.
Sturmleitern und Enterhaken wurden nun eilig herangeschafft, um die zwanzig Schritt hohen Wälle der Hauptburg zu überwinden. Doch die Verteidiger waren vorbereitet, Bolzen und Pfeile flogen einer nach dem anderen aus vielen Schießscharten, aus anderen prasselten Steine und Unrat auf die sich im Hof der Vorburg unter ihren Schilden drängelnden Angreifer herab.
Der Angriff konnte noch glücken, in dieser Nacht sollte es sich entscheiden! Hagen hatte bisher seinen Bruder nicht stellen können, seine Burg würde er ihm nun nehmen! Wieder war es der Eisensteiner, der seine Leute zum Äußersten antrieb, aber auch die Tandoscherin stand ihm kaum nach.
Ein Geräusch wie Stein- oder Hagelschlag peitsche über den Hof. Etliche Streiter brachen zusammen, getroffen von Steinen und Metallsplittern im Gesicht und an gering geschützten Stellen. Durch eine breite Schießscharte des zweiten Torhauses feuerte eine Rotze und hielt blutige Ernte, durchschlug Schilde und trennte Gliedmaßen ab. Hatte sich die Verteidiger bisher – und ganz im Gegensatz zu den Angreifern – mit ihren Geschützen zurückgehalten, war die Wirkung auf diese Distanz nun umso gräulicher.
„Wir müssen uns zurückziehen!“, flehte ein junger Krieger. War er zu Beginn des Angriffes noch voller Mut und Entschlossenheit gewesen, war er nun bleich und ob der um sich greifenden Konfusion in der Vorburg angsterfüllt. Vor allem die Söldlinge aus Tandosch setzten immer noch alles daran, die senkrechten Mauern zu erklimmen, doch der Schwung des Angriffes war verbraucht, kaum einer folgte ihnen. Einer Streiter namens Aslan führte sie verwegen an.
Hagen war von einem Armbrustbolzen in die rechte Schulter getroffen worden. Keine lebensgefährliche Verletzung, aber kämpfen oder gar klettern konnte der junge Baron nicht mehr. Er wurde von seinem Waffenmeister, Ritter Korbrandt, der sich beim Überklettern der Trümmer des Torturmes eine leichte Verwundung zugezogen hatte, gestützt.
Panik machte sich breit. Rufe der Ermutigung und zum weiteren Angreifen gingen im Lärm unter. Unter Zurücklassung der Verwundeten zogen sich die ersten Kämpfer, ohne einen Befehl dazu erhalten zu haben, bereits aus der Vorburg zurück, die sichere Deckung der Außenmauer der Burg suchend.
Während der Angriff nach der Eroberung der Vorburg zusehends in sich zusammenbrach, wurde der Beschuss der Verteidiger immer mörderischer. Immer wieder wurden Brandpfeile abgeschossen und brennendes Stroh hinabgeworfen, deren Feuerschein den Armbrustern viele Ziele bot. Ab und an flog ein von den Geschützen des Sindelsaumers abgeschossener Feuertopf im hohen Bogen über die Burg, tauchte die Szenerie in ein unwirkliches Licht, es war schwer zu sagen, ob dies der Orientierung der Angreifer mehr nutzte oder den todbringenden Schützen der Verteidiger.
Hagen, gestützt von Korbrandt, versuchte immer noch, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen, Ordnung in seine Reihen zu bringen. Ab und zu rief er nach seinem Knappen Lucan, der doch irgendwo sein musste. Doch nicht nur die Suche nach Lucan, auch die Bemühungen, die Schlacht noch einmal unter Kontrolle zu bekommen, waren vergebens: Die Moral nicht nur der Landwehrkämpfer, sondern auch vieler Gardisten und Söldner war am Bröckeln, einzelne flohen schon eigenmächtig aus der vermeintlichen Todesfalle Vorburg. Später sollte man erzählen, dass der Baron zu Eisenstein in kalter Wut einen seiner flüchtenden Leute mit eigener Hand erschlagen habe.
Derweil erklommen unter Führung des Tandoscher Kriegers Aslan, der seine zahllosen Kämpfe bislang eher auf dem Wasser als auf dem Lande bestanden hatte, einige nur leicht bewaffnete Tandoscher die hohen Mauern der Hauptburg. Schließlich erreichte Aslan, ohne Rüstung und nur mit einem schweren Dolch bewaffnet, die Mauerkrone.
Er stemmte sich hinauf, fand sich zwischen zwei hohen Zinnen Aug’ in Aug’ mit einem völlig überraschten Armbruster, der gerade seine Waffe am Spannen war. Mit einer raschen Klingenbewegung schnitt er dem immer noch erstaunten Mann die Kehle durch, dieser sank lautlos nach vorne, Aslan in die Arme.
Der Tandoscher kniete im Blut seines Opfers und dankte dem Schwarzen Kor, seinem finsteren Gott: Vom Wehrgang musste es aussehen, als würde der tote Knecht seine Armbrust auf ein Ziel im Hof der Vorburg anlegen.
Aslan schaute hinter sich, die steile Mauer hinunter: Sie waren zu acht losgeklettert, doch nur er hatte es geschafft. Alle anderen waren in die Tiefe gestürzt, sei es, dass ihre Seile gekappt wurden oder Stein und Bolzen ihnen ein bitteres Ende bereitet hatte. Unfähige und Feiglinge, alle miteinander. Sie hatten es nicht besser verdient.
Bedauerlich nur, dass sie keine zweite Chance bekommen würden. Er jedoch hatte schon gänzlich anderes erlebt und war bis zum Ende der Kletterpartie kühl und besonnen geblieben.
Vorsichtig lugte Aslan nun an den Zinnen vorbei auf den Wehrgang, der weitgehend im Dunkeln lag: Rechts von ihm war eine Bogenschützin dabei, einen Pfeil nach dem anderen in den Hof der Vorburg zu schießen, links von ihm stand ein Büttel in den Farben Dohlenfeldes und zielte mit seiner Armbrust in die Vorburg.
Aber direkt hinter diesem, teure Garether Platte tragend, ihren Helm am Schwertgürtel baumelnd, das Schwert nicht gezogen, sah Aslan Angronds Burghauptfrau Ituberga von Liepenstein! Die Befehlshaberin der Wache Angronds war wohl dabei, sich einen Überblick über die Geschehnisse im Burghof zu verschaffen – er dankte Kor für diese Gnade, und Phex für sein Glück!
Der Tandoscher wusste: Er würde Ituberga, die Befehligerin der Verteidiger, im Zweikampf bezwingen, und damit wäre es möglich, das Schlachtenglück noch einmal zu wenden!
Er betete im Stillen zu Kor: „Blutiger Sohn der Rondra, Schwarzer Mantikor, Schlächter und Zerstückeler Deiner Feinde! Gib mir Deine unbezwingbare Stärke und gewähre mir neun Streiche, um Ituberga von Liepenstein im Zweikampf zu bezwingen – und ich werde noch in dieser Nacht das Blut neun weiterer Feinde Dir zu Ehren vergießen!“
Dann sprang er, einen Kampfschrei ausstoßend, in einem weiten Satz auf den Wehrgang, setzte den total überraschten Dohlenfelder Büttel, der immer noch mit seiner Armbrust nach unten zielte, mit einem schnellen Dolchstoß in die Kehle außer Gefecht und zog gleichzeitig dessen Schwert aus der Scheide, während ihm das aus dem Hals des sterbenden Mannes pulsende Blut über beide Arme rann. Die Eisenwalder Klinge lag gut in Aslans Hand. Als der Büttel zu Boden sank, es waren nur Augenblicke vergangen, da parierte er auch schon den ersten, ebenso zielsicher wie gewaltig geführten Streich Itubergas, die ein „Für Rondra, für Baron Angrond!“ auf den Lippen hatte. Das würde ein würdiger und korgefälliger Kampf werden! Aslan freute sich schon darauf zu sehen, wie Ituberga sich in ihrem noch warmen Blut winden würde, wenn er ihr den Kopf vom Rumpf trennte!
Seinen ersten eigenen Streich widmete er dem Gnaden- und Mitleidlosen, er spürte, wie wenig Ituberga trotz ihrer unzweifelbaren kämpferischen Qualitäten auf seine Wut vorbereitet war. Er würde seine gefallenen Kameraden rächen, einen nach dem anderen.
Für den Schwarzen Mantikor führte er den zweiten Streich – Ituberga wich einen Schritt zurück.
Dem Bruder des Blutes widmete er den dritten Hieb, dem Donnernden Himmelsreiter den vierten. Der-lachendüber-das-Schlachtfeld-schreitet sollte sich des fünften Streichs erfreuen – Aslan streifte mit seiner Klingenspitze Itubergas Gesicht, ein feiner Riss zog sich über ihre Wange, das herabrinnende, rote Nass erfreute seinen blutgierigen Herrn!
Dem Unbarmherzigen widmete er seine sechste Attacke, Ituberga gelang es einfach nicht, die Initiative an sich zu rissen. Der geifernde Schnitter erfreute sich daran, zu sehen, wie die Burghauptfrau beim siebten Streich ins Straucheln kam, dann ins Torkeln geriet.
Er, dem Morden Freude ist, widmete Aslan seinen achten Streich. Ituberga gelang es, die Klinge Aslans reflexartig zu parieren, doch glitt ihr dabei das eigene Schwert aus der Hand – sie lag rücklings und unbewaffnet auf dem Wehrgang, schloss die Augen, ihr Schicksal erwartend.
Aslan holte weit aus, denn der neunte, finale Streich gehörte dem blutigen Gevatter des Todes! Er wollte Ituberga den Kopf abtrennen, zielte gut und lange, war geradezu in korgefälliger Trance, nahm seine Umgebung kaum noch wahr, konzentrierte sich voll und ganz auf sein blutiges Tun – als er einen leichten Schmerz in seiner Brust spürte.
Der Schmerz wurde stechend. Eine eigenartige Wärme breitete sich aus. Seine Hand öffnete sich unwillentlich, sein Schwert fiel scheppernd auf den Wehrgang. Aslan schaute an sich herab. Ein Armbrustbolzen steckte tief in seinem Herzen. In nur fünf Schritt Entfernung, hinter der vor ihm liegenden Ituberga, stand ein Kämpfer im schwarzen Wappenrock und mit Brustharnisch, ein schon älterer Mann, eine Armbrust ruhig in den Händen. Als Aslan sein Leben, auf die Knie gesunken, aushauchte, war er mit sich im Reinen. Dieser Streich hatte nicht sollen sein. Aber er hatte ein Leben geführt, wie es nur wenigen vergönnt war – und wie es seinem finsteren, blutigen Gott Kor wohlgefällig war!
Genau in dem Moment, als Aslans Leben endete, rief Baron Hagen unten im Burghof:
„Rückzug! Rückzug! Rückzug – und bei den Geschützen neu formieren!“
Ein Viertel der Angreifer war tot oder schwer verwundet, ein weiteres Viertel leicht verletzt – besonders die Tandoscher und Eisensteiner hatten so hohen Blutzoll zahlen müssen, und dass selbst die energische Fiona und der gnadenlose Baron Rajodan einsehen mussten, dass die Wälle nicht zu erklimmen waren. Sie konnten die Leben aller ihrer Leute opfern, ihre eigenen Leben hinfortwerfen – und immer noch wäre die Hauptburg in den Händen der Verteidiger, die sich nun mit Zähnen und Klauen zu wehren schienen.
Die meisten Angreifer zogen sich einer nach dem anderen langsam mit erhobenem Schild zurück, einige jedoch flüchteten in Panik und wurden dann nicht selten Opfer der herabprasselnden Bolzen und Pfeile. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die Verteidiger endlich den Beschuss der sich Zurückziehenden einstellten, vereinzelt wurde sogar auf am Boden liegende Verletzte geschossen. Als der letzte Kämpfer den Hof der Vorburg verlassen hatte, war dieser bedeckt mit Leichen und den schreienden Verwundeten, die zurückgelassenen worden waren.
Den sich Zurückziehenden kamen die Kämpfer aus der Baronie Sindelsaum unter Führung Baron Erlans entgegen, die sich bislang bei den Geschützen in Reserve gehalten hatten und von nicht wenigen der Zurückkehrenden mit verächtlichen Blicken gestraft wurden und gar als Feiglinge und Zauderer beschimpft wurden.
Die Koscher bezogen Stellung an der Außenseite des Geschützturms, in sicherer Deckung vor den Geschossen der Verteidiger der Hauptburg. Hier würden sie verhindern, dass die Verteidiger die Vorburg wieder in Besitz nahmen – und vielleicht im Schutze der Dunkelheit den einen oder anderen Verletzten bergen.