Dohlenfelder Thronfolgestreit - Kormunde von Eichental

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Texte der Hauptreihe:
K28. Sieg
K95. Kajax
F2. Kormunde von Eichental
F25. Epilog
1033 BF
Kormunde von Eichental
Der Schwarze Adler

Folgehandlung 2

Das Ende naht
Nordmarken, 1033

Alvide hatte derweil jedes Gefühl für Zeit verloren. Sie setzte einen Fuß vor den anderen und hieb dabei wie besessen auf all die Gegner ein, die sich ihr entgegen warfen.
Kormunde und Eberhelm kämpften immer noch an ihrer Seite, doch abgesehen von den beiden hatte Alvide jeden Überblick verloren. Sie musste sich zurückfallen lassen, um einen Überblick zu gewinnen.
Gerade wollte sie ihren Gedanken ihren Nebenleuten zurufen, als sich ein schwer gepanzerter Ritter auf Kormunde stürzte. Über dem Panzer trug er einen schwarzen Wappenrock mit einem goldenen Adler. Oder war es ein Greif?
Alvide war sich nicht sicher. Sie hatte auch keine Zeit darüber nachzudenken, denn der Ritter attackierte Kormunde mit ungeahnter Kraft. Ihre Schwester wich den Schlägen des Zweihandschwertes nicht aus. In ihrer schweren Rüstung wäre das ohnehin zwecklos gewesen. Die beiden Kontrahenten führten keinen Schwerttanz auf, wie man ihn vielleicht im Horasreich hätte bewundern können. Vielmehr hämmerten beide Ritter mit aller Kraft auf einander ein. Rüstungsteile verbogen sich unter dem Druck, doch keiner der beiden wurde ernsthaft verletzt.
Ein Waffenknecht in unbekannten Farben versuchte sein Glück bei Alvide, doch sie hieb ihm kurzerhand den Arm von den Schulter. Als sie wieder Luft hatte ließ sie sich einen Schritt zurückfallen und beobachtete für einen Augenblick das Duell der beiden Ritter.
Kormundes Kriegshammer bohrte sich in die Seite ihres Gegners, doch die Waffe steckte fest. Der Nordmärker Ritter zögerte keinen Augenblick und ließ seine Klinge in hohem Bogen auf Kormunde hernieder fahren. Sein Schwert zerschmetterte den Halsschutz und fraß sich tief in Kormundes Hals.
Alvide war wie gelähmt. Eine solche Wunde konnte niemand überleben. Der Hinterkoscher Ritter blieb ebenfalls einen Moment stehen. Der Kriegshammer Kormundes war aus seiner Wunde gefallen, aber sie blutete stark. Dennoch hob er sein Schwert und wandten sich Alvide zu. Eberhelm wollte sich bereits auf ihn werfen, doch Alvide war schneller.
Sie tauschten einige wuchtige Hiebe aus. Beide Ritter waren erschöpft und verwundet, aber sie kämpfen beide mit eisiger Verbissenheit.
Der Nordmärker wollte der Sache ein Ende machen und führte einen kapitalen Überhandhieb, der Alvide einfach zerschmettert hätte. Mit letzter Kraft machte sie einen Satz zur Seite und die Klinge fuhr in den Boden. Ihr Schwert fand eine Lücke in der Rüstung ihres Kontrahenten und fraß sich tief in sein Fleisch herein.
Erschöpft beugte sich Alvide über ihren Gegner.
„Euren Namen?“ verlangte sie zu wissen.
„Bernhelm“ keuchte der alte Ritter „von Lîfstein, Junker zum Lîfstein“.
Ohne sich weiter um den Verwundeten zu kümmern wandte sich Alvide um und eilte, so schnell sie eben konnte, zu Kormunde und kniete sich hin. Als sie das Visier öffnete sah sie, dass sie zu spät gekommen war. Tsas Atem hatte ihre Schwester verlassen.
Ohnmacht wallte in ihr auf. Hinter ihr hörte sie die Schlachtrufe des Feindes und das Klirren von Schwertern.
Mühsam erhob sie sich wieder. Von irgendwoher war Birsel aufgetaucht und keuchte „Die linke Flanke wankt! Angronds Reserve wirft sie Schritt für Schritt zurück und Sighelm ist tot. Halmdahl führt jetzt das Kommando.“
Alvide straffte die Schultern. Jetzt war nicht die Zeit um zu trauern. Sie musste eine Schlacht gewinnen.
„Eberhelm hat hier jetzt das Kommando!" schnauzte sie, und machte sich auf in den Rücken des Kampfes, um ihre Flanke zu retten.
Sie brauchte nur wenige Schritte, um dem Kampfgetümmel zu entkommen. Auf dem Boden lagen überall verstreut Tote und Verwundete. Überrascht stellte sie fest, dass sie auf einer Hand stand.
Grün gewandete Männer und Frauen eilten umher und suchten die Verwundeten zusammen. Weit im Rücken ihrer Truppen stürmte die Tommelsbeuger Reiter auf die Maringer Landwehr zu.
Im Zentrum herrschte derweil das grenzenlose Chaos eines Reiterkampfes. Was auf der rechten Flanke des Heeres passierte, konnte sie nicht erkennen, aber sie würde dort ohnehin nichts bewirken können.
„Garascha“, brüllte sie die zwergische Anführerin der Armbruster herbei.
„Nimm deine Leute und schieß mir die Reiter da aus dem Sattel, sonst brechen sie noch durch wie die Tommelsbeuger.“
Dabei deutete sie auf die Reiter des Schwarzen Adler, die ihre rechte Flanke attackierten. Auf ihren Rössern ragten sie ein gutes Stück über den Rest heraus und waren so ein hervorragendes Ziel.
Alvides Befehl war nicht sehr rondragefällig, aber dafür umso effektiver.
Geron“, rief sie den Anführer ihrer Bogner herbei, „Legt eure Bögen beiseite und helft Halmdahl mit den Hellebardensöldnern.“
Der Bärenstieger Ritter und Garascha erwiderte nichts, und während Geron mit seinen Andergastern Richtung linken Flügel stürmte, luden Garascha und ihre Leute ihre Armbrüste erneut durch.
„Birsel“, rief Alvide und drehte sich um, doch ihre Knappin war ihr nicht gefolgt. Wo steckte das Mädchen nur schon wieder?
Als Alvide sich umgedreht hatte, hatte Birsel Kormunde entdeckte. Die feindlichen Kämpfer brandeten heran und eine junge Frau griff nach dem Kriegshammer Kormundes.
Ein Hammer, den Kormunde von ihrem Vater zu ihrem Ritterschlag geschenkt bekommen hatte. Kormundes Vater hatte ihn von seiner Mutter erhalten und diese von ihrem Vater. Dieser hatte ihn einst von einem dankbaren Zwergenschmied erhalten.
Birsel würde nicht zulassen, dass sich irgendeine dreckige Söldnerin ein solches Familienerbstück unter den Nagel reißen würde.
Sie machte zwei Schritte nach vorne und hackte, wie von Sinnen, auf die Söldnerin ein. Ein Hieb gegen ihren ungeschützten Hals sandte sie zu Boden. Einer nachrückenden Landwehrfrau rammte sie die Hellebarde in den Unterleib und riss in einer fließenden Bewegung ihre Streitaxt von der Seite.
Eine Hellebarde traf sie in die Seite und Birsel wirbelte herum. Ihr Hieb galt dem Arm des Söldners und durchtrennte Haut und Knochen. Als der Söldner die Hellebarde schreiend fallen ließ, umklammerte seine Hand noch immer den Hellebardenschaft.
Erneut wurde Birsel getroffen. Ihr Helm wurde ihr vom Kopf gerissen. Ohne dem hämmernden Schmerz in Arm, Hüfte und Kopf Beachtung zu schenken, schmetterte sie dem Mann die Axt ins Gesicht. Die Waffe durchtrennte das dünne Visier und der Mann sackte in sich zusammen. Blut spritze ihr entgegen, doch ihre Axt hatte sie verloren.
Sie packte die Hellebarde mit der abgetrennten Hand und schlug sie einem Gegner ins Bein. Die Frau fiel zu Boden und für einen Moment war Birsel ohne Gegner.
„EICHENTAL!“ schmetterte sie ihren Gegner entgegen.
Sie spürte ihre Kraft weichen, doch sie musste weiterkämpfen. Hastig wischte sie sich einige blutige Haarsträhnen ihres blonden Haares aus dem Gesicht. Ein rascher Blickt über ihre Schulter offenbarte Birsel, dass sie alleine war.
Die Koscher waren von dem Ansturm der Übermacht zurückgeworfen worden. Um Birsel und die beiden am Boden liegenden Ritter aber hatte sich ein kleiner Kreis gebildet. Die nachrückenden Landwehrleute trauten sich nicht so recht an die Koscher Knappin heran. Wie sie wild brüllend eine Reihe von Gegner niedergemacht hatte verängstigte die Bauern und Handwerker, die unter den Rüstungen steckten.
Aus den Reihen der Landwehr trat ein schwer gerüsteter Kämpfer, in den gleichen Farben, wie der neben Kormunde am Boden liegende, allerdings mit leicht abgewandeltem Wappen.
Der Ritter klappte das Visier seines Helms hoch und darunter kam das wettergegerbte Gesicht eines über sechzig Sommer zählenden Mannes hervor. Der graue Bart war schweiß nass und von Blut verkrustet.
Sorge war in seinem Blick, als er den am Boden Liegenden Kämpen in den Farben des Hauses Lîfstein sah.
Ohne Furcht trat er zu dem am Boden liegenden Lîfsteiner und damit in die Reichweite von Birsels Waffe. Er schaute auf den Mann, ihm ziemlich ähnlich sah.
Bernhelm von Lîfstein lag schwer atmend und stark blutend am Boden. Er war nicht bei Bewusstsein, als sein Bruder zu ihm trat, aber wenigstens lebte er.
„Bringt die beiden Ritter in Lazarett!“
Hagen hatte sich an die Landwehrleute gewandt.
„Eilt euch! Und wehe einer von euch vergreift sich an den Sachen der beiden“, dabei deutete er auf Kormunde und Bernhelm.
Der Befehlston, mit welchem Hagen die Worte gesprochen hatte, ließen die Landwehrleute ihre Angst vor der Knappin vergessen. Sie beeilten sich, die beiden am Boden liegenden möglichst sanft hochzuheben und im Eiltempo ins Lazarett zu bringen.
Hagen schaute den Männern kurz nach, bevor er sich Birsel zu wandte.
„Nun zu dir Mädchen, leg die Waffen nieder! Du hast gut gekämpft, aber man sollte wissen, wann ein Kampf verloren ist.“
Mit einem wütenden Schrei griff Birsel den alten Kämpen an. Genauso, wie Hagen er erwartet hatte, wieso waren die jungen Leute nur so leicht zu provozieren?
Mühelos wehrte er den weiten geschwungenen Schlag der Knappin mit seinem Schild ab. Hagen merkte schnell, dass ihm seine Gegnerin unterlegen war, zum einen wegen der geringen Erfahrung, über die sie scheinbar verfügte, und zum anderen, weil sie wohl am Ende ihrer Kräfte war.
Wieder griff Birsel mit einem mutigen Schlag des Kriegshammers an. Mit einer Schnelligkeit, die man einem so alten Kämpen eigentlich nicht mehr zutraute, unterlief er den weit ausholenden Schlag der Knappin. Dabei ließ er sein Schild los und griff mit der nun freien Hand nach dem Kriegshammer. Ein geschickter Schlag mit dem Knauf seines Schwertes auf die Waffenhand der Knappin und einen Stoß mit seiner Schulter vor ihre Brust genügte, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Vor Schreck über diese ungewöhnliche Attacke und dem Gefühl des Falles ließ Birsel die Waffe los, um kurz darauf recht unsanft mit dem Hosenboden auf dem Boden zu landen. Hagens Klinge deutete auf die Brust der Knappin.
„Ergebt ihr euch?“
Müde und geschlagen schaute Birsel den alten Ritter an und nickte schließlich.
„Im Namen, meines Neffen, Darian von Lîfstein, Edler zu Schrazelroth, nehme ich euch gefangen!“
Dabei deutete er auf einen, mit dunkler Platte gerüsteten Kämpfer zu Pferde, der in sein Ross hatte gerade steigen lassen um sich Platz zu schaffen.
Mit diesen Worten waren die Formalitäten erledigt und Hagen schaute kurz auf. Um sie herum hatte die Landwehr durch das Eingreifen der Horasier neuen Mut gefunden und hatten sich mit diesen verbunden. So geschlossen waren sie nun auch schon einige Schritt weiter vorgerückt und hatten die Koscher, die sich langsam aber sicher in der Auflösung befanden, zurückgedrängt, so dass die Knappin und der Ritter deutlich hinter der Kampflinie waren.
Hagen steckte sein Schwert in die Scheide und reichte Birsel seine Hand, damit sie wieder auf die Beine kam.