Die erste Nacht Teil 2

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Texte der Hauptreihe:
K2. Die erste Nacht II
Autor:?
Fürstenhort (Burg), 1030

Viridian betrat den Raum, in dem er zusammen mit den anderen die erste Nacht verbringen sollte, bevor es auf die Burg gehen sollte. Er versuchte sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass er wohl die nächsten Jahre als Knappe am Hofe des Fürsten vom Kosch verbringen würde. Schwer wogen die Gefühle in ihm, einerseits der Verlust der Heimat, andererseits in einer neuen Welt zu sein, einer Welt, um die sich viele andere bereits beworben hatten und er, er war nun hier.
Einen Moment fühlte er sich beklommen, als er an seine Eltern dachte, die er nun eine längere Zeit wohl nicht sehen würde. Er hatte sich bewusst kurz verabschiedet und versuchte nun, nicht an den Blick seiner Mutter zu denken, den sie ihm zum Abschied geschenkt hatte. Als er gerade dabei war, sein Gepäck abzustellen und zu verteilen, sah er den Jungen an der Lagerstatt neben ihm. Blonde Locken, ein zierliches, mit feinen Zügen versehenes Gesicht, grüne Augen, die bereits die Ausstrahlung eines Potentaten besaßen, ein Körperbau fast eher wie ein Mädchen, eine Nase spitz und Edel wie einst Kaiser Hal in Kleidung gehüllt, wie man sie einem tobrischen Flüchtling nicht zutrauen würde, seine Familie schien die Flucht nicht in die Armut getrieben zu haben. Sein Gang und seine Haltung verrieten seine gute, strenge Erziehung. Bei näherer Betrachtung fragte sich Viridian, wo er diese Kraft wohl hergenommen hatte.
Er blickte sich im Raum um, es schien ihm nicht zu gefallen, was er sah. Dann fiel sein blick auf Viridian.
„So sieht man sich wieder, tapfer gekämpft habt ihr.“
Er lächelte.
„Geron….. Geron Efferdan von Elstertreu“, er reichte Viridian die Hand, die dieser mit einem sympathischen Lächeln fest ergriff.
„Viridian… von Albenbluth-Lichtenhof – wie man wohl hört, auch kein echter Koscher, ich komme aus der Baronie Kaldenberg, aus den Nordmarken!“
Auch Viridian hatte blondes Haar, dunkelblond und eher gewellt als gelockt, aber viel mehr hatten die beiden Jungen nicht gemein. Der Nordmärker wirkt kräftig und vital, seine Haut war gebräunt und an den kräftigen Händen sah man bereits die Spuren des Schwertträgers. In seinen braun-grünen Augen funkelt eine Mischung aus Lebensfreude und.. etwas anderem, das Geron in dem Moment nicht recht zu deuten wusste. Das Lächeln, das ihm der Nordmärker schenkte, wirkte jedoch offen und freundlich.
„Nun dann wird das wohl der Ort sein, an dem wir die nächsten Jahre verbringen, ich bin ja mal auf die anderen gespannt“, sagte Geron und Viridian nickte zustimmend.
„Ich habe mir einfach mal die Schlafstätte dort drüben ausgesucht, nimmt sich ja doch alles nicht..“
Er deutete auf das „Bett“ neben der Tür, auf dem zusammengefaltet eine Tagesdecke in schwarz-roter Farbe lag, auf der am oberen rechten Rand ein Wappen aufgestickt war, das zwei gekreuzte Schwerter auf weißem Grund im linken unteren Teil sowie drei blutrote Bäume auf schwarzem Grund im rechten oberen Teil zeigte.
Viridian folgte dem Blick des anderen und erklärte: „Ein Geschenk meiner Mutter zum Abschied..“
Er grinste etwas verlegen.
„Ist unser Familienwappen, damit ich mein Zuhause nicht ganz vergesse.“
Er sah auf Gerons Gepäck hinab.
„Kann ich dir bei irgendwas helfen?“
„Nein“, sagte Geron, während er anfing seinen Koffer zu öffnen und die ersten Kleidungsstücke auszupacken, während er das tat wirkte er manchmal, als ob er all das hier gar nicht so richtig wolle. Dann kam ein Kurzschwert zum Vorschein, eine unglaublich elegante Waffe, mit einem Knauf der den Griff einer Elster zeigte. Viridian warf einen neugierigen Blick auf die Waffe. Auch die Scheide, in der die Klinge steckte, musste sehr teuer gewesen sein, obwohl sie schon etwas älter aussah.
„Das Schwert hat mir mein Oheim geschenkt, es ist die Klinge, die jeder Junge von Elstertreu in seiner Jugend und Knappenzeit führt, der zum nächsten Familienoberhaupt bestimmt ist, bis er sie an den nächsten weitergibt.“
„Ahh..!“ Viridian nickte und warf dem anderen einen kurzen Seitenblick zu. Solche Erwartungen hatte er nicht und er machte sich auch nicht viel daraus.
„Eigentlich gehört sie meinem Vetter Heldar“, Gerons blick leuchtete vor Bewunderung, dann riss es ihn in die Wirklichkeit zurück und er beendete seinen Satz nicht.
„Wie kommt es eigentlich, dass du hier bist?“
Viridian wollte sich zwar eigentlich nach dem Vetter erkundigen, dessen Schwert Geron nun trug, aber dann zuckte er nur kurz mit den Schultern.
„Das war wohl eine eher spontane Entscheidung. Meine Mutter stammt aus Ferdok und.. nun ja, als sie von dem Knappengesuch hörte, war sie Feuer und Flamme dafür. Und ich.. ich meine, ich freue mich natürlich auch hier zu sein!“
Geron hatte das Gefühl, dass die Freude des anderen sich durchaus in Grenzen hielt, aber unzufrieden wirkte er auch nicht, dann sah sein Gegenüber auf.
„Und was hat dich hierher verschlagen, Geron?“
„Mein Oheim denkt wohl das es diesmal besser ist das Nächste Oberhaupt als Knappe auszubilden, anstatt als Straßenjungen der Adersins“

Siehe: Die Knappen des Fürsten