Des Ebers Stamm am Scheideweg Teil 3

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Autor: Geron

Greifenpass und Wengenholm, 1031

Der Bauernhaufen, den Ardan bei Angbar um sich geschart hatte, war natürlich wieder nach Hause zurückgekehrt. Sie alle waren aufgeregt, aber zu weit von zu Hause wollten sie auch nicht reisen. Ardan hatte seine Reise bis an den Greifenpass fortgesetzt. Dort war die Stimmung freilich sehr gereizt, da die Bauer hungerten. Auf der anderen Seite konnte hier niemand in die Nordmarken durchreisen, da der Pass durch Schnee- und Eismassen blockiert war.
Blieb also nur der Norden oder der Süden. Nach Garetien zu gelangen war für die Entführer natürlich möglich, aber die einzige Brücke wurde streng überwacht, und die Gefahr einer Entdeckung war damit sehr hoch. Ardan wandte sich also gen Norden, zur Heimat hin. Dort wollte er Wacht halten um bereit zu sein, wenn es Zeit war, für des Fürsten Sohn ins Feuer zu gehen.

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Eine anstrengende Woche später hatte er schließlich die heimatlichen Gefilde erreicht. Der Winter schien dieses mal hart zu werden. Die armen Bergbauern saßen sicher in der Patsche, aber es war nicht an ihm das zu ändern. Sie hatten schließlich selbst kaum genug zu essen.
Der Bärenstieg war voller Leben, und als er durch das Dorftor ritt, eilten ihm schon die ersten Menschen entgegen. Unter den Herbeieilenden war auch seine Knappin. Daria von Angenfurten war ihr Name, und sie war völlig außer Atem geraten.
„Es gibt Neuigkeiten Herr!“ rief sie.
„Euer Bruder erwartet euch in der Burg.“
Das klang nicht besonders gut, fand Ardan, und so gab er seinem alten Klepper die Sporen und jagte hinauf zu der Burg, die wenig mehr als eine bewohnte Ruine war.
In der Halle saßen sie alle beisammen. Dort war Geron, sein Bruder, Idamil, der alte Waffenknecht und noch einige andere aus seinem Gefolge.
„Gut, dass du endlich kommst, Ardan. Hier sind die Niederhöllen los, seitdem Anshold entführt worden ist, treibt sich jeder Strauchdieb der Umgebung herum. Sie werden immer dreister und man kann kaum eine Furt queren, ohne einer Bande von ihnen in die Arme zu laufen. Erst dachten wir, sie würden die Flucht dieser Strauchdiebe decken, aber sie sind selbst auf der Suche nach den Entführten. Goro soll gewütet haben, und auch, wer sich sonst für einen Räuberhauptmann hält, hat seine Gefolgsleute ausgeschickt. Sie wollen alle Anshold und Nadyana in ihre Finger kriegen, um ein fettes Lösegeld zu erpressen. Behaupten zumindest die Kerle, die wir aufgegriffen haben. Auch unsere Leute halten Wacht, aber außer diesen Banditen haben wir noch kein Lebenszeichen von Anshold gesehen.“
Ardan setze sich erst einmal.
„Ob diese Charissia dahinter steckt? Vielleicht auch Voltan von Falkenhag, immerhin steht er an zweiter Stelle in der Thronfolge, und wenn ich bedenke, was sein Bruder für ein Verräter war, traue ich ihm alles zu. Vielleicht sollte da mal jemand auf den Busch klopfen. Wie dem auch sei. Wenn sie nach Norden wollen, müssen sie die Ange überqueren, also sollten wir Späher aussenden. Die Ernte ist ohnehin eingebracht. Worauf warten wir also, aber erstmal muss ich mich ein wenig ausruhen. Die Ereignisse unten in Salmingen waren wirklich etwas unvorhergesehen...“

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Weiter Richtung Westen, am Fuße der Koschberge, rieb sich Sighelm von Garstenfeld durch den Bart. Den ganzen Sommer über hatten er und seine Söldner in Albernia gekämpft, aber für den Winter waren sie in ihre Heimat zurückgekehrt. An Ausruhen war dank der Neuigkeiten bezüglich der Entführung nicht zu denken, und so hatte Sighelm einen Teil seiner Leute als Späher ausgesandt und wartete nun darauf, dass jemand es wagen würde die Ange zu überqueren.
Wer auch immer so dreist sein sollte, würde mehr brauchen als eine Bande gemeiner Entführer, um die es sich hoffentlich handeln würde. Nicht auszudenken, wenn Schwarzmagier oder ähnliches Pack hinter der Entführung stecken würden. Die würden glatt Hackfleisch aus seinen Söldnern machen.
Sighelm schüttelte den Gedanken ab und wandte sich einigen Gefangenen zu, die seine Leute gemacht hatten. Es schien, als würden alle Söldner und Banditen des Kosch auf den Beinen sein, um entweder eine Belohnung, oder ein Lösegeld einzustreichen. Nicht zum ersten mal fragte sich Sighelm, wie die Entführer sich eine Flucht unter diesen Umständen vorstellten.