Alltag auf Burg Eichstein - Teil VII

Aus KoschWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
 Wappen Mittelreich.svg  Wappen Koenigreich Kosch.svg   Huegellande.gif   Rohalssteg.gif   Wappen Gut Rahilja.svg  
 Burg.svg
 
Texte der Hauptreihe:
K1. Teil I
K5. Teil V
K7. Teil VII
K10. Teil X
K11. Teil XI
30. Pra 1038 BF
Teil VII
Teil VI

Kapitel 7

Teil VII
Autor: Baduar

Wasserburg Eichstein, 30. Praios 1038, Wassertag

Die Praiossscheibe versank in einem glühendroten Schein am Horizont und langsam senkte sich der Abend über den Rahiljaforst und die Wasserburg Eichstein.

Nach einem weiteren ereignisreichen Tag kehrte langsam Ruhe ein in die Burg. Die Abendwache drehte ihre Runde, entzündete die Torlaternen und schloss dann die beiden Tore des Vorwerkes. Die anderen Burgwachen saßen zusammen mit den anderen Bediensteten in der Dürnitz zum Abendessen. Die Anzahl der Burgwachen hatte sich leicht erhöht, den der Junker hatte nach der Gefangennahme und dem Verhör eines der Halunken, die den Rahiljaforst unsicher machten, die Burgwachen verstärkt. Doch die Spitzbuben waren erneut im Rahiljaforst untergetaucht und waren ihren Häschern entwischt. Der unfreiwillige Gast in einer der Zellen hätte ihnen vermutlich gerne Gesellschaft geleistet, aber diese Möglichkeit bot sich ihm nicht. Der Junker und seine Waffenknechte hatten ihn mehrfach befragt, aber der Kerl stellte sich als hartnäckiger und sturer Zeitgenosse heraus. Nun, das war vermutlich nicht mehr lang ihr Problem - in dieser Woche würden sie das Schreiben an den Baron aufsetzen und ihn überstellen, damit über ihn gerichtet werden konnte. Es gab Augenblicke bei der Befragung, da Baduar den Halunken am liebsten eigenhändig am nächsten Baum aufgeknüpft hätte, doch die Gebote Praios galten nun auch für einen Angehörigen des Niederadels. Zumindest für Viehdiebstahl würde man den Halunken drankriegen und wenn es nach Baduar ging, dann würde er auch für den Überfall auf Murgrim Güldenglüh bestraft werden.

Derweil saß der Junker selbst gemeinsam mit seinen Waffenknechten in seinem Arbeitszimmer und resümierte über die vergangenen drei Tage, an denen sie gemeinsam mit einigen Freien des Lehens Waffenübungen abgehalten hatten. Sowohl Baduar als auch seine Waffenknechte waren entsetzt über die Übungen gewesen - sein Vater hatte die regelmäßigen Waffenübungen schon seit Jahren schleifen lassen und in entsprechend schlechter Form waren die Freien gewesen. Baduar hatte nun für die letzten drei Tage erstmalig seit Jahren wieder zu einer Waffenübung aufgerufen, um Bedrohungen durch Raubgesindel, aber auch anderen Gefahren entgegentreten zu können. Für diese erste Übung hatten sie einen kleinen Teil der wehrhaften Freien zu den Waffen gerufen und einige grundlegende Übungen gemacht, um zu sehen, wie es um die Freien stand. Und während die Übungen zu Kraft und Ausdauer noch halbwegs zufriedenstellend waren, so ließen die Waffenübungen selbst doch sehr zu wünschen übrig. Baduar und seine Waffenknechte hatten die Freien heute Nachmittag nach Hause geschickt und sich sodann daran gemacht zu überlegen, wie sie die Wehrhaftigkeit verbessern konnten. Dabei machte auch der Neuzugang unter den Waffenknechten, Arbel Bockanger, auf sich aufmerksam. Der zweitälteste Sohn des Dorfschulzen aus Jälach hatte vor nur wenigen Tagen seine Ausbildung zum Schwertgesellen abgeschlossen. Er war noch unerfahren, aber hatte das Herz am rechten Fleck, einen wachen Geist und konnte auch mit dem Schwert gut umgehen. Als er vor einer Woche beim Junker um eine Anstellung bat, hatte Baduar ihm eine Chance gegeben. Alle zusammen überlegten sie, wie sie dafür sorgen konnten, das die Freien ihren normalen Aufgaben nachgehen konnten, aber trotzdem die Wehrhaftigkeit verbessert wurde. Daraus entstand nun der Plan, jeweils im Praios und im Firun einen kleinen Teil der waffenfähigen Freien zu einer dreitägigen Wehrübung einzuberufen. Dabei wollten sie auch sehen, wie es um den Stand der Ausrüstung der Freien bestellt war und nötigenfalls dafür sorgen, das diese ihre Ausrüstung ausbesserten oder, wenn notwendig, auch ersetzen konnten.

Gänzlich unberührt von diesen Überlegungen räumte Aldare in der Zwischenzeit die erste Lieferung des Glasbläsers in die Regale ihres Labors. Nach langem Überlegen hatten Baduar und sie beschlossen, das sie das Labor in diesem Kellerraum des Westflügels einrichten konnte. Die Wände waren fest gemauert, um auch etwaigen Missgeschicken standhalten zu können, es gab einen Kamin und auch ein kleines Fenster. Also hatte sich Aldare dort in den letzten Tagen eingerichtet und bei Jost Bregelklos aus Amaralys einige Einrichtungsgegenstände in Auftrag gegeben. Diese waren am vergangenen Markttag angeliefert worden und gestern kam die erste Lieferung des Glasbläsers, den Aldare schon Anfang Praios beauftragt hatte. Damit endete auch ihre Zeit des reinen Müßigganges. Als anerkannte Magierin und Mitglied im Bund des roten Salamander hatte sie auch abseits ihrer Pflichten als Gattin des Junkers weitere Aufgaben und Pflichten, denen sie nachgehen wollte. Nun verfügte sie im Westflügel der Burg über zwei Räume, die sie für sich und ihre Studien hatte: Das Labor im Keller des Westflügels half ihr, die Geheimnisse der Alchemie zu enträtseln, während sie die alte Kemenate im Erdgeschoß des Westflügels zu ihrem Arbeitszimmer erklärt hatte, in dem sie ihren weiteren Studien nachgehen und ihre Bibliothek einrichten konnte. Baduar freute sich für seine Frau, wusste er doch, wie wichtig ihr ihre Studien waren und auch, wie sehr sie in den letzten Wochen darauf verzichten mußte.

Derweil ging es andernorts in der Burg lustig zu. Noch gab es nur wenig Aufgaben auf Feld und Weiden zu erledigen und die Knechte und Mägde der Burg saßen fröhlich in der Dürnitz und im Burghof zusammen und feierten den Tsatag von Eckbart, einem der Stallknechte. Der Junker zeigte sich zu den Tsatagen seiner Bediensteten meist großzügig und gewährte einen kleinen Umtrunk. Seine Bediensteten ließen sich dies nicht zweimal sagen und dankten es durch Fleiß und Gehorsam. Wer hart arbeitete, durfte auch ordentlich feiern.

Als auch das letzte Licht der Abenddämmerung erlosch, waren die meisten der Bediensteten schon in ihren Betten verschwunden, denn auch morgen kam wieder ein anstrengender Tag auf sie zu. Einzig im Studierzimmer der Junkerin und im Arbeitszimmer des Junkers drang noch Kerzenschein durch die Fenster nach draußen. In letzterem erhoben sich jetzt nach Einbruch der Nacht Baduar und seine Waffenknechte. Heute war Baduarsnacht und die fünf Waffenträger rüsteten sich. In voller Montur trafen sie sich nur wenig später im Burghof, um gemeinsam in der kleinen Kapelle der Burg der Toten der letzten Schlachten und Fürst Baduar zu gedenken.

Zurück zu den Geschichten aus Rahilja